Glänzender Lackporling, Ganoderma Lucidum, Reishi: Adaptogen für den Darm?

Das Adaptogen für den Darm?

Seit einigen Jahrtausenden wurde der inzwischen weltweit bekannte Reishi-Pilz in der traditionellen chinesischen Medizin als Tonikum insbesondere für Langlebigkeit angepriesen und verwendet. Langlebigkeit ist jedoch ein recht dehnbarer Begriff. Wie wirkt aber Reishi genau? Wie soll ein einzelner Pilz dafür sorgen, dass wir mit unseren Ur-Enkeln noch gemeinsam auf dem Bolzplatz oder – in unserer heutigen Zeit – an der Playstation spielen?

Informationen zur Wirkung von Reishi

Auffällig bei vielen Studien zu Reishi ist ein häufiger Schwerpunkt in Bezug auf Erkrankungen des Verdauungssystems. Damit unterscheidet sich Reishi beispielsweise etwas von den Effekten anderer Adaptogene wie Bacopa Monnierei, Astragalus Membranaceus oder Rhodiola Rosea. Leberfibrosen, entzündliche Marker durch bakterielle Infektionen, antibakterielle Wirkungen im Darm und Darmkrebs waren dabei unter anderem einige der Bereiche, bei denen Reishi als Mittel einen positiven Effekt zeigen konnte [1,2,3,4].

The goal of research in the treatment of viral and bacterial infections is the discovery of agents that specifically inhibit viral and bacterial multiplication without affecting normal cells. The undesired side effects of antibiotics and antivirals and the appearance of resistant and mutant strains make the development of new agents an urgent requirement. […] Isolation of various water- and methanol-soluble, high-molecular-weight PBPs from G. lucidum showed inhibitory effects on herpes simplex virus type 1 (HSV-1), herpes simplex virus type 2 (HSV-2), and vesicular stomatitis virus (VSV) New Jersey strain in a tissue culture system.

[…] The antiviral effects of the GLPG (Gandomera Lucidum proteoglycan – ein Peptidoglycan bzw. Makromolekül von Zellwänden, bestehend aus Aminosäuren und Zuckern) were more remarkable before viral treatment than after treatment. Although the mechanism was not defined, the authors concluded that GLPG inhibits viral replication by interfering with early events of viral adsorption (Li, Liu, and Zhao 2005). […] In another study, a ganoderic acid isolated from G. lucidum showed inhibitory effects on the replication of hepatitis B virus (HBV) in HepG2215 cells (HepG2- HBV-producing cell line) over 8 days. Production of HBV surface antigen (HBsAg) and HBV e antigen (HBeAg) were, respectively, 20% and 44% of controls without ganoderic acid treatment (Li and Wang 2006). [Studie]

Pilze und Pflanzenstoffe weisen meist eine erstaunliche Sammlung an aktiven Inhaltsstoffen vor. Meist konnten wir bis heute davon die meisten nicht ausreichend untersuchen, um eine klare Antwort über Wirkung zu äußern. Generell zeigte Reishi jedoch in vielen Untersuchungen einen bakteriostatischen, antiviralen Effekt. Schnell kann also vermutet werden, dass viele der positiven Effekte von Reishi durch eine Reduktion bakterieller Belastungen im Körper zustande kommen. Auch Untersuchungen zu festgestellten neuroprotektiven Eigenschaften dieses Pilz-Adaptogens zeigten hierbei Verbindungen beispielsweise zum Darmmilieu.

The immunomodulatory effect of EGL mainly manifests as the inhibition of cytokine and inflammatory mediators (COX-2, iNOS, NO, TNF-α, IL-1β) released by microglia upon LPS stimulation. These inflammatory mediators and cytokines have close relationships with neurodegeneration. For example, the inhibition of COX-2 could relieve cerebral ischemic injury and slow down the progress of Alzheimer’s disease or Parkinson’s disease [27]. [Studie]

Als LPS oder Lipopolysaccharide werden in der Regel Stoffe bezeichnet, die aus dem Darm in den Blutkreislauf eines Menschen dringen können und dadurch massive entzündliche Reaktionen hervorrufen. Dass eine solche Belastung auf Dauer sich durch die erhöhten entzündlichen Marker auch auf das Gehirn und seine Leistung auswirken kann, ist daher leicht zu verstehen. Während wir ständig in Kontakt, Synergie und Interaktion mit einem massiven bakteriellen Umfeld leben, können bakterielle Infektionen und Belastungen stark an unserer Lebenserwartung und Lebensfreude nagen. Früher wie heute nahmen wir konstant alle möglichen winzigen Lebewesen durch Nahrung, Hautkontakt und anderen Aktionen mit unserem Umfeld auf. Damit leuchtet ein, warum ein Pilz wie Reishi mit Langlebigkeit in Verbindung gebracht werden konnte.

Das heißt nicht, dass Reishi ausschließlich für Darmbeschwerden verwendet werden kann. Viele Daten weisen schlichtweg darauf hin, dass Reishi als “Wirkpilz“ vor allem einen positiven Effekt auf den gesamten Verdauungskanal mitsamt beteiligter Organe zu haben scheint. Unter anderem wurde auch beobachtet, dass die in Reishi enthaltenen Triterpene und weiteren Wirkstoffe einen schützenden Effekt vor neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer hatten. Als Grund wurde dabei angegeben, dass sie anscheinend den fortschreitenden Abbau von Zellen im Gehirn reduzierten [5]. Gleichzeitig schien Reishi vor der Zerstörung von Zellmembranen (Lipidperoxidation) zu schützen, was nicht nur auf das zentrale Nervensystem, sondern körperweit eine positive Wirkung haben kann [6]. Auch eine generelle Verbesserung der Energiebereitstellung wurde dabei beobachtet, was grundsätzlich eine zentrale und wichtige Eigenschaft von wirksamen Adaptogenen zu sein scheint [6].

Bakterien können uns helfen, aber auch schaden

Administration of the G. lucidum, once daily for 15 days, was significantly (P < 0.05) effective to enhance the Krebs cycle dehydrogenases, and mitochondrial electron transport chain complex IV activities in aged rats. The profound activity of the extract can be correlated to the significant antioxidant property of G. lucidum. The results of the study revealed that G. lucidum is effective to ameliorate the age associated decline of cellular energy status. [Studie]

Wie sehr man dabei solche beobachteten positiven Effekte auf eine Linderung bakterieller Belastungen zurückführen kann, ist schwer zu sagen. Wird dem Körper an einer Stelle eine Last genommen, kann er sich besser um andere Krisenherde kümmern. Eine Verbesserung der Energiebereitstellung kann durchaus durch eine Minimierung der bakteriellen Belastung herbeigeführt werden – und natürlich auch umgekehrt. Eine Reduktion der Darmbelastung kann durch verringerte entzündliche Belastung und bessere Energiebereitstellung im gleichen Atemzug die Leber entlasten, Müdigkeit mindern, die Taille trimmen und die Psyche pushen. Adaptogene haben durch ihre Wirkung meist einen breitgefächerten Effekt auf die menschliche Gesundheit. So könnte man bei Reishi zwar auf der einen Seite sagen, dass er auf vielen Ebenen einen unterstützenden Effekt erzielt, jedoch speziell im Darmbereich die größte Wirkung entfaltet. Schwerpunkte eines Adaptogens sind auch bei anderen Pflanzen zu erkennen. Während Rhodiola Rosea einen tendenziell energetisierenden, fokussierenden Effekt auf den Körper zu haben scheint, neigen Adaptogene wie Ashwagandha eher dazu, einen entspannenden ruhigen Energiefluss für den Körper zu ermöglichen – stets durch spezifische Wirkweisen an speziellen körperlichen Knotenpunkten. So gesehen wirken Adaptogene meist zu einem Teil global und zum anderen spezifisch unterstützend.

Über Umwege kann Reishi durchaus unser Energieniveau verbessern!

Zusammenfassung, Dosierung und Qualitätskriterien für Reishi

Pilze sind etwas ziemlich Erstaunliches. Während Pflanzen oft eine optimale Umgebung benötigen, um sich gut zu entwickeln, scheinen Pilze selbst unter harschen Bedingungen wachsen zu können [7].

Mushrooms need antibacterial and antifungal compounds to survive in their natural environment. It is therefore not surprising that antimicrobial compounds with more or less strong activities could be isolated from many mushrooms and that they could be of benefit for human (12). [Studie]

Damit sie dazu in der Lage sind, brauchen sie also entweder potente Giftstoffe oder stark schützende Substanzen und vermutlich erklärt das auch, warum das Sammeln von Pilzen ein so riskantes Unterfangen sein kann. Kein Wunder sollte es aber sein, dass in Pilzen einige der wirksamsten Substanz-Cocktails zu finden sind. Wenn es um effektive Dosierungen und Nebenwirkungen geht, besteht relativer Freiraum. Während bereits positive Effekte bei wenigen täglichen Gramm (1-3 Gramm) in manchen Untersuchungen festgestellt wurden, scheinen selbst hohe Dosen von 30-80 Gramm pro Tag keinen negativen Effekt zu zeigen [8]! Dabei kommt es meist auf individuelle Faktoren an, die den Bedarf mit beeinflussen. Eine ältere Person, die unter einem akuten endotoxemischen Schock steht, wird eine höhere Dosierung benötigen, als ein Mensch, der Reishi präventiv kontinuierlich als Darmtonikum verwenden möchte. Eine tägliche Verwendung von etwa 3-5 Gramm Reishi-Pulver wäre als Startpunkt vermutlich eine gute Idee. Nebenwirkungen oder sogar eine Gefahr bei der Einnahme von Reishi besteht damit schon mal kaum. Auf etwas sollte man jedoch aufpassen. Vor allem bei Reishi sollte auf die Qualität des Herstellers geachtet werden. In einigen Studien wurden Inhaltsstoffe der beworbenen Pilze von unterschiedlichen Anbietern untersucht. Das Ergebnis war ernüchternd unterschiedlich [8]. Reishi also als Massenware in Gewächshäusern zu züchten und zu verkaufen scheint entweder ein gutes Verständnis zu brauchen – oder aber man wendet sich als Kunde an ein Produkt, das aus der wilden Natur gesammelt wurde. Das mag unter umständen teurer sein, jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit effektiver wirken. Ein hochwertiger Reishi erfüllt auf jeden Fall die Kriterien eines waschechten Adaptogens!

Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK92757/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19621343
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27910775
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12579275
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18083148
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19123066
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1193547/
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK92757/

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