Ashwagandha (indischer Ginseng): Adaptogenes Allzweckmittel

Ashwagandha: Adaptogenes Allzweckmittel

Wenn ein Pflanzenwirkstoff über Jahrtausende hinweg kontinuierliche therapeutische Verwendung findet, ist das meist ein recht gutes Zeichen. Ashwagandha, Schlafbeere bzw. Withania somnifera ist seit sehr langer Zeit ein fester und wichtiger Bestandteil ayurvedischer Medizin und gehört zu den “Rasayana“-Pflanzen. Rasayana ist dabei ein Überbegriff für Stoffe, die eine gesunde körperliche Verfassung, mentale Fitness und Zufriedenheit fördern sollen. Interessanterweise sind die meisten in Indien bekannten Adaptogene Teil der Rasayana-Familie. Meist wird Ashwagandha Kindern als anregendes, oder älteren Menschen als lebensverlängerndes Mittel verabreicht.

It enhances the function of the brain and nervous system and improves the memory. It improves the function of the reproductive system promoting a healthy sexual and reproductive balance. Being a powerful adaptogen, it enhances the body’s resilience to stress. Ashwagandha improves the body’s defense against disease by improving the cell-mediated immunity. It also possesses potent antioxidant properties that help protect against cellular damage caused by free radicals. [Studie]

Wenn ein Wirkstoff positive Effekte auf kognitive, immunologische, reproduktive und hormonelle Systeme ausübt, weist das meist auf eine Substanz hin, die einen Zustand guter Energiebereitstellung fördert. Stehen wir unter chronischer Belastung bzw. Stress, fällt uns ruhiges Denken schwerer, werden wir leichter krank, leiden an reproduktiven Unregelmäßigkeiten oder Dysfunktionen, Schlafstörungen und tragen meist an einer wachsenden emotionalen Last. Wie bereits in diesem Artikel beschrieben, ist dabei schnell und einfach eine gute Verbindung mit unserem gesamten Energiehaushalt zu ziehen. Natürlich geht es dabei nicht nur um Ernährung, sondern generell um einen guten Zugriff auf Energie und eine optimale Fähigkeit, diese auch zu verwenden. Doch wie wirkt Ashwagandha? Warum hat es ein so scheinbar breites Einsatzspektrum und kann es für Nebenwirkungen sorgen?

Wie wirkt Ashwagandha?

Während immer mehr Alkaloide, steroidale Lactone, Saponine und vieles mehr in Pflanzen wie Ashwagandha entdeckt und untersucht werden, kann bis heute wohl keiner eine exakte Antwort auf diese Frage geben. Nicht, weil wir nicht dazu in der Lage wären, einzelne Wirkstoffe isoliert zu betrachten, sondern schlichtweg aufgrund der so breitgefächerten Effekte. Nachgewiesen wurde jedoch in unterschiedlichen Studien, dass die Extrakte unter Immobilisations-Stress den Dopamin-Spiegel aufrechterhalten, einen neuroregenerativen und neuroprotektiven Effekt haben, die abbauenden Prozesse bei Alzheimer-Erkrankungen hemmen, leistungsfördernd wirken und vor Angstzuständen oder vergleichbaren negativen emotionalen Zuständen schützen können [1,2,3,4,5]. Eigentlich hört die Liste gar nicht auf [6]. Das Immunsystem profitiert, entzündliche Prozesse werden besser reguliert, die Spermienzahl geht hoch, der Libido steigt an, Östrogen-Rezeptoren werden beeinflusst und so weiter [7,8].

Der wahrscheinlich beste Hinweis auf die Wirkung von Ashwagandha könnte der Effekte auf unsere mitochondriale Aktivität sein [6,9]. Benötigen wir für etwas Energie, setzen wir diese mithilfe von ATP (Adenosin Tri-Phosphat) frei. Verbrauchen wir ATP, bleibt in der Regel ADP (Adenosin Di-Phosphat) und ein Phosphat über. Finden sich in Zellen hohe Mengen an ADP, ist das in der Regel ein Zeichen von hoher Belastung und Energieverbrauch/Stress. Die Verwendung von Ashwagandha als Extrakt zeigte dabei eine deutliche Reduktion der ADP-Produktion in Zellen, während der ATP-Gehalt positiv beeinflusst zu werden schien. Macht Ashwagandha unsere Zellen also effizienter in ihrer Energie-Verwendung?

Die zellulären Kraftwerke unserer Zellen – unsere Mitochondrien – können über zwei Wege Elektronen für unsere Energieproduktion liefern. Beide “Eingänge“ werden dabei als Komplex 1 und 2 bezeichnet. Reicht die Energieproduktion von Komplex 1 nicht aus, wird die Aktivität von Komplex 2 erhöht, um weiterhin effektiv arbeiten zu können. Komplex 2 wird auch “Succinat-Dehydrogenase“ genannt.

The uncoupling effect on oxidative phosphorylation (ADP/O ratio reduction) was also observed in the mitochondria of granulation tissue. Further, Mg’+ dependent ATPase activity was found to be influenced by W. somnifera. W. somnifera also reduced the succinate dehydrogenase enzyme activity in the mitochondria of granulation tissue. [Studie]

Hochwertiges Whey ist leicht verträglich

Diese Untersuchungen lassen also vermuten, dass durch den Einfluss von Ashwagandha Mitochondrien effektiver via Komplex 1 Energie bereitstellen und Zellen scheinbar unter einer geringeren energetischen Belastung zu stehen scheinen. Der zweite Punkt könnte darauf hinweisen, dass entweder Ashwagandha durch weitere Funktionen die Stimulierung der Zellen reduziert, oder aber nicht nur die Produktion, sondern auch die Umsetzung von Energie in Zellen verbessert. Aufgrund der gewaltigen Menge an positiven Effekten dieser Pflanze, scheint Möglichkeit zwei sogar wahrscheinlicher. Hierzu gibt es jedoch leider keine eindeutigen Studien – allein da Energiebereitstellung und zelluläre Funktion in der Biochemie – obwohl eigentlich fundamental – noch stark umstritten sind. Auch andere Adpatogene wie Astragalus Membranaceus und Bacopa Monnierei scheinen auf ähnliche weise zu funktionieren – jeweils mit einer etwas anderen Wirkung im Körper

Viele Pflanzen waren schon seit Jahrtausenden ein Heilmittel für den Menschen

Zusammenfassung: Für wen ist Ashwagandha geeignet und gibt es Nebenwirkungen?

Egal ob wir wissenschaftliche Artikel schreiben, nicht schlafen können, ob wir schwer trainieren, Deadlines hinterherjagen, emotionale Wackelkandidaten sind, oder an einer Krankheit leiden. Die adäquate Bereitstellung von Energie ist in so ziemlich allen Situationen von Relevanz und angebracht. Insbesondere, da Adaptogene nach Definition selbst in höheren Dosierungen keine schädlichen Nebenwirkungen vorweisen dürfen. Eine solche Definition würde dem bekannten Satz des hippokratischen Eids – First, do no harm! – wohl sehr entsprechen. Effektive Dosierungen reichten in unterschiedlichen Studien von 125mg bis hin zu 5 Gramm des reinen Ashwagandha-Pulvers. Etwa 500 mg des Pulvers pro Tag zeigten einen signifikanten angstlösenden Effekt bei Probanden [10]. Eine Studie konnte bei Albino-Mäusen bei einer akuten Injektion von etwas mehr als einem Gramm reinem Alkoholextrakt pro Kilogramm Körpergewicht erste toxische Effekte feststellen [11]. Dafür müssten wir jedoch als menschlicher Nager etwa 50-80 Gramm Alkoholextrakt nicht durch den Mund, sondern direkt in unseren Blutkreislauf jagen. Ashwagandha ist definitiv ein wundervolles Kraut und wohl nicht ohne Grund seit Jahrtausenden ein fester Bestandteil traditioneller indischer Medizin!

Quellenangabe:

  1. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2006-961845
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16553605/
  3. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ptr.2650090206
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4687242/
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4270108/
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3252722/
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3675906/
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5833251/
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2963652/
  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23439798
  11. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.3109/13880209309082943

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