Astragalus Membranaceus (Tragant): Adaptogen des Immunsystems?

Was hat Astragalus M. mit Krebs und dem Immunsystem zu tun?

In der Mongolei und in Nordchina wurde vor einigen Jahrtausenden eine Pflanze mit gelblicher Wurzel entdeckt. Aufgrund ihres Aussehens wurde sie sehr bald als “Huang Qi“ bzw. “Sternenmilch“ in der traditionellen chinesischen Medizin bekannt. Verwendung fand dieses inzwischen traditionelle Gewächs vor allem als Tonikum für unsere Abwehrkräfte. Es solle das “Qi“ wieder aktivieren und Astragalus M. fand sehr bald seinen Platz unter den adaptogenen Pflanzen als eine Art “Stamina-Boost“. Doch wie schafft das diese Pflanze und gibt es Nebenwirkungen? Gibt es etwas beim Kauf, der Dosierung oder bei anderen Faktoren zu beachten? Wie wirkt Astragalus Membranaceus?

Astragalus Membranaceus (Tragant): Wirkung auf Immunsystem und Krebs

There are more than 161 saponins including about 142 kinds of cycloartane-type saponins and about 19 kinds of oleanane-type saponins. Among them, 5 major saponins, including astragalosides I, II, and IV, and isoastragaloside I and II, all being cycloartanetype triterpenoids, make up more than 80% of the total saponins. And Astragaloside IV is the qualitative control biomarker [23]. [Studie]

Neben einer großen Menge an Saponinen sind in Astragalus M. eine Vielzahl an Flavonoiden (64) und Mehrfachzuckern (14) zu finden. Alle von ihnen können sich dabei auf unseren Körper auf unterschiedliche Art und Weise auswirken – oft dabei auch abhängig davon, ob sie im Alleingang oder in Kombination verabreicht werden. Wie so oft gilt also ein gewisser Grad an Vorsicht, wenn Studien zur Effektivität einzelner Bestandteile einer Pflanze als Referenz verwendet werden. Was jedoch schon vor etwa 4000 Jahren im alten China beobachtet wurde, ist auch heute unter modernen Mikroskopen zu entdecken: Astragalus wirkt anscheinend kräftigend für unser Immunsystem!

Mehrfach wurde in Studien festgestellt, dass das Verabreichen von Astragalus M. sowohl einen Effekt auf das angeborene als auch adaptive Immunsystem besaß [1,2]. Helfer-Zellen, Makrophagen, Zellteilung und viele weitere Faktoren wurden durch die Verwendung von Astragalus M. positiv beeinflusst:

Astragalus membranaceus could affect the innate immune response. The aqueous extract of Astragali radix induced the activation and migration, and monocyte maturation of peripheral blood mononuclear cells [31]. In the macrophage cell line RAW 264.7, aqueous extract of Astragali radix reversed the increasing iNOS expression and NO production by lipopolysaccharide (LPS), and reduced the suppression of macrophage cell proliferation by methotrexate [32]. […] Astragalus membranaceus could also affect the acquired immune response. The aqueous extract of Astragali radix exhibits mitogenic activities on T-cell depleted populations, augments the antibody response, and restores the lymphocyte blastogenic response in aging mice [34]. And aqueous extract of Astragali radix activated CD4+ and CD8+ T cells of humans without influencing proliferation [35,36]. In addition, the ethanol extracts of Astragali Radix selectively alter Th1/Th2 cytokine secretion patterns of CD4+ T cells through enhancing the IL-4 and IL-10 levels in Th2 cells and reducing the levels of IL-2 and IFN-γ in Th1 cells [37,38]. Similarly, hydroalcoholic extract of Astragalus gypsicolus also modulated the balance of Th1/Th2 cytokines in allergic mice model [39]. [Studie]

Solche Ergebnisse können durchaus von Interesse bei unterschiedlichen Erkrankungen sein. Fast so, als würde Astragalus M. dem Körper dabei helfen, immunologische “Reserven“ wiederaufzufüllen. Vor allem, wenn gleichzeitig aggressive Stoffe wie Stickstoffoxid weniger vom Körper produziert werden müssen, um zum Beispiel bakterielle Invasoren zu bekämpfen. Mit anderen Worten scheint also Astragalus M. dem Körper die nötigen Mittel zu geben, um angemessener und weniger zerstörerisch mit immunologischen Reizen umgehen zu können! Doch Zell-Proliferation hat in der heutigen Zeit oft einen unangenehmen Beigeschmack. Könnte Astragalus M. einen ungewollten und wachstumsfördernden Effekt auf Krebszellen haben? Die Antwort ist: Nein – sogar das Gegenteil!

In addition, the aqueous extract of Astragali radix can inhibit the growth of human gastric cancer cell lines AGS and KATO-III in a time-and dose-dependent manner [47]. It was further found that Astragalus injection can reduce the apoptosis by increasing the Bcl-2 expression and reducing the Bax expression in gastric cancer cell supernatant-induced peritoneal mesothelial cells [48].

Extract of Astragali radix also has anti-tumor effects against lung cancer, renal cell carcinoma, and bladder cancer, as shown in clinical trials and animal experiments. The Astragalus-based traditional Chinese medicine formula increased the effectiveness and reduced the toxicity of standard platinum-based chemotherapy in 2,815 patients with advanced non-small-cell lung cancer [49]. In addition, aqueous extracts of Astragali radix may have exerted their antitumor effects via augmentation of phagocyte and LAK cell activities in mice bearing renal cell carcinoma [50]. Similarly, aqueous extract of Astragali radixlowered the incidence of urinary bladder carcinoma through activating the cytotoxicity of lymphocytes and increasing the production of IL-2 and IFN-γ in mice [51]. Therefore, immune regulation is one of its main mechanisms of anticancer protection. [Studie]

Manchmal braucht eine energetische Pause vor dem Sprung

Deutlich ist zu sehen, dass in vielen Studien genau diese Befürchtung exzessiv untersucht wurde. Die Ergebnisse waren jedoch genau umgekehrt. Durch eine positiv anregende Unterstützung der Abwehrkräfte kommt es vielmehr zu einer gezielten Anregung bestimmter Zelllinien des Immunsystems, die wiederum Krebs- und andere “dysfunktionale“ Zellen zerstören können. Zusätzlich hat Astragalus M. sich also als effektiv unterstützendes Mittel gegen Krebs in einige Studien zeigen können.

Astragalus Membranaceus (Tragant): Wirkung auf Energie und Entzündungen

Doch nicht nur das Immunsystem scheint durch die Supplementierung von Astragalus M. zu profitieren. Viele Anzeichen entzündlicher Marker zeigten bei Untersuchungen einen Rückgang [2,3]. Zuerst könnte man vermuten, dass ein solcher zusätzlicher Effekt durch den Einfluss von Astragalus M. auf das Immunsystem selbst zustande kommt. Inzwischen wurde jedoch immer deutlicher, dass einige Bestandteile von Astragalus M. einen antioxidativen, entzündungshemmenden und Radikal-fangenden Effekt auf Zellen ausüben können.

APS inhibits the cell apoptosis of human cardiac microvascular endothelial cells induced by Na2S2O4 via enhancing the levels of SOD, Bcl-2, PI3K/AKT, reducing the levels of ROS, Ca2+, MDA and Bax, and inhibiting the activity of caspase-3 [171]. [Studie]

Die dabei erwähnte Studie untersuchte den Effekt von Hypoxie (Sauerstoffunterversorgung) auf Zellen mit und ohne Astragalus M. Mehrfachzuckern (APS). Bekommen Zellen zu wenig Sauerstoff, kommt es meist zu vielen reaktiven und langfristig negativen Effekten (bis hin zur Nekrose). Stoffe, die dabei ein Energieniveau und ein damit verbundenes Zellüberleben über eine längere Zeit sichern können, sind daher von großem Wert für unsere Gesundheit. Vor allem aber die Effekte von Astragalus M. auf den Calcium-Fluss von Zellen ist bemerkenswert. Astragalus M. zeigte einen regulierenden (tendenziell hemmenden) Effekt auf den Calcium-Influx bei gestressten Zellen. Werden Zellen weniger durch einen Einstrom von Calcium stimuliert, sind sie wieder leichter dazu in der Lage, sich zu entspannen [4].

Der elektrische Gradient von Zellwänden ist wie ein Lebensfunke für unsere kleinen Organismen

Weitere Daten zeigen dabei deutlich, dass Astragalus M. nicht nur selektiv Calcium beeinflusste, sondern die Zellmembran-Durchlässigkeit reduzieren konnte, energetische Gradienten innerhalb der Mitochondrien positiv beeinflusste und dabei zu helfen schien, die oxidative Belastung innerhalb der Mitochondrien zu regulieren. Anders gesagt stabilisiert Astragalus M. eine adäquate Energieproduktion, reduziert den (über-)erregten Zustand von Zellen und versorgt dadurch offenbar den Körper mit der nötigen Energie, um immunologisch aktiver arbeiten zu können.

The current study was performed to investigate mitochondrial protection and anti-aging activity of Astragalus polysaccharides (APS) and the potential underlying mechanism. Lipid peroxidation of liver and brain mitochondria was induced by Fe2+–Vit C in vitro. Thiobarbituric acid (TBA) colorimetry was used to measure the content of thiobarbituric acid reactive substances (TBARS). Mouse liver mitochondrial permeability transition (PT) was induced by calcium overload in vitro and spectrophotometry was used to measure it. […] APS could inhibit TBARS production, protect mitochondria from PT, and scavenge O2•−, •OH and H2O2 significantly in a concentration-dependent manner respectively. […]. According to this research, APS protects mitochondria by scavenging reactive oxygen species (ROS), inhibiting mitochondrial PT and increasing the activities of antioxidases. Therefore, APS has the effect of promoting health. [Studie]

Damit ist Astragalus M. eine durchaus beeindruckende Pflanze auf mehreren Ebenen. Was lässt sich aber zusammenfassend sagen, wie sollte man am besten dosieren und gibt es Nebenwirkungen?

Astragalus Membranaceus (Tragant): Kontext, Dosierung und Nebenwirkungen

Nicht alle Pflanzen mit dem Namen Astragalus wirken gleich. Astragalus lentiginosus (Locoweed) zum Beispiel besitzt einige Phytosterole, die eine östrogenähnliche Wirkung in Mensch und Tier erzielen [5]. Membranaceus dagegen wirkt eher durch Stoffe, die einen Effekt auf GABA-Rezeptoren erzielen können [6]. Dadurch ist der Effekt beider Astragalus-Arten grundsätzlich verschieden. Astragalus M. zeigte selbst bei sehr hohen Dosen keine Nebenwirkungen (die letale Dosis einer Astragalus Injektion bei Mäusen lag bei etwa 40g/Kg Körpergewicht!) [7]. Bei einem ausgewachsenen Menschen währen damit mehrere Kilogramm reinen Pulvers nötig, um einen möglicherweise toxischen Effekt zu erzielen. Damit erfüllt Astragalus alle grundlegenden Eigenschaften eines Adaptogens. Für gewöhnlich werden etwa 30 Gramm gemahlene Astragalus-Wurzel täglich, oder wenige Milligramm eines Extraktes der einzelnen Saponine als Supplement empfohlen [8]. Neben Ashwagandha, Reishi und Bacopa Monnieri ist Astragalus Membranaceus ein potentes und vielseitiges Adaptogen. Vor allem bei bestehender Abwehrschwäche wäre es ein empfehlenswertes Supplement!

Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20838436/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17611061/
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27220872
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8580697
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1319699/
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17196887
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12611564
  8. https://examine.com/supplements/astragalus-membranaceus/

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