Bacopa Monnieri (Brahmi): Gedächtnis-Adaptogen?

Wirkt Bacopa Monnieri sich positiv auf unsere kognitive Leistungsfähigkeit aus?

Bacopa Monnieri, kleines Fettblatt oder Brahmi ist eine ayurvedische Heilpflanze zur Unterstützung kognitiver Funktionen. Wenn ein Stoff Bezeichnungen wie “neuronales Tonikum“ oder “Gedächtnis-Verstärker“ erhält, klingt das nach einem perfekten Supplement für jede Prüfung. Doch wie kam es zu diesen Titeln und wie wirkt sich Bacopa Monnieri überhaupt auf unsere mentale Leistungsfähigkeit aus? Gibt es Nebenwirkungen und wie hoch sollte man Bacopa Monnieri dosieren?

Bacopa Monnieri: Wirkung und zelluläre Effekte

Viele Studien zu Bacopa Monnieri wurden an Tieren und Zellkulturen durchgeführt. Die Liste an positiven Eigenschaften war dabei – wie bei den meisten Adaptogenen – beeindruckend lang. Unter anderem wurden dabei in einer Meta-Studie eine krampflösende, antidepressive, entzündungshemmende, antimikrobielle, geschwürhemmende, schmerzlindernde und leberschützende Wirkung festgestellt [1]. Die gesamte Liste umfasste in etwa 15-20 relevante Punkte, die bei vielen Krankheiten Bacopa Monnieri als relevanten Zusatz erscheinen lassen. Wie genau die unterschiedlichen Bestandteile einzelner Pflanzen dabei im Konzert ihren Einfluss auf den Körper ausüben, ist dabei für die Wissenschaft oft ein gordischer Knoten. Mehrere Effekte wurden jedoch reproduzierbar festgestellt.

Anbarasi et al.56 assessed the neuroprotective role of bacoside A against OS in the brains of rats exposed to cigarette smoke by measuring concentrations of enzymatic and non-enzymatic anti-oxidants as well as trace elements. The researchers administered 10 mg/kg aqueous bacoside A gavage daily and found that BM significantly increased brain levels of glutathione, vitamin C, vitamin E, and vitamin A in rats exposed to cigarette smoke (perhaps an anti-oxidant conservation effect). Bacoside A administration increased the activities of superoxide dismutase (SOD), catalase, GPx, and GSR. As a result, the levels of glutathione (primary endogenous anti-oxidant conjugate) in the brain were significantly increased as well. The researchers found that cigarette smoke depletes zinc and selenium levels in the brain, which is especially problematic because zinc is a SOD co-factor and selenium is a GPx co-factor. Administration of bacoside A also restored zinc and selenium levels. […] Anbarasi et al.57 also showed that 10 mg/kg aqueous gavage administration of bacoside A inhibited lipid peroxidation, improved the activities of adenosine triphosphatases (ATPases), and maintained ionic equilibrium in the brains of cigarette smoke–exposed rats. [Studie]

Dieser Studie zufolge war Bacopa Monnieri wohl dazu in der Lage, nicht nur vor oxidativem Schaden zu schützen – ob direkt oder auf indirektem Wege – sondern gleichzeitig auch die Produktion an ATP in Zellen weiter zu verbessern. Weitere Studien wiesen ebenfalls nach, dass Pestizide und andere exogene Toxine durch die Verwendung eines Bacopa Monnieri-Supplements besser vom Körper verkraftet werden konnten und der Körper an weniger durch oxidative Schäden und damit verbundener Zerstörung litt (untersucht wurden unter anderem Paraquat und Methylquecksilber) [2,3]. Dopaminerge Neurotransmissionen – oft zerstört durch Pestizide wie Paraquat – konnten weiter effektiv feuern, während essentielle Bestandteile für zelluläres Überleben (wie das Zellmembranpotential) durch eine Bacopa Monnieri-Lösung aufrechterhalten wurden.

Bacopa Monnieri: Wie wirkt es genau?

Ein Erklärungsansatz wäre also, dass Bacopa Monnieri auf irgendeine Art und Weise eine effektive Energieproduktion von Zellen aufrechterhalten konnte. Ein “schlichtes“ Antioxidans wäre dazu nicht in der Lage. In einer weiteren Studie fand ein Forscherteam heraus, dass Bacopa Monnieri eine erhöhte Stickstoffoxid-Menge in die Blutgefäße freisetzte [4]. Während zwar die Produktion von Stickstoffoxid den Blutgefäßen selbst zugeschrieben wurde, wäre durchaus denkbar, dass Bacopa Monnieri das Stickstoffoxid aus den Zellen selbst löst. Insbesondere ein reduzierter Fluss an Calcium in Zellen wäre dabei ein Zeichen für einen solchen Effekt. Damit wäre in dieser Hinsicht die Wirkung von Bacopa Monnieri vergleichbar mit der von infrarotem Licht [5].

Kamkaew et al.96 compared the effect of daily oral BM (40 mg/kg oral) and Gingko biloba (60 mg/kg oral) on cerebral blood flow (CBF) in rats. In their 8-week trial, rats treated with BM saw a significant 25% increase in CBF, although Gingko biloba increased CBF by 29% (albeit at a 20-mg higher dosage). Chronic oral BM administration had no effect on blood pressure, whereas intravenous infusion decreased diastolic blood pressure 31mmHg with 40mg/kg of either extract, correspondingly decreasing CBF by 15%. BM appears to act as a vasodilator by releasing NO from the endothelium and inhibiting calcium fluctuations in and out of the sarcoplasmic reticulum.97 More research on this property of BM is warranted. [Studie]

Eine solche Eigenschaft ist durchaus wichtig, da Stickstoffoxid in Zellen nicht nur eine vermehrte Produktion von Peroxinitrit (ein starkes Radikal) und damit Lipidperoxidation (Zellwand-Zerstörung) fördert, sondern auch generell die Mitochondrien bzw. Kraftwerke der Zellen in ihrer Energieproduktion hemmt [6]. Da Stickstoffoxid dabei eine große Menge an entzündlichen Prozessen stimulieren kann, ist eine Reduktion davon gleich doppelt von Nutzen. Zumindest hätten wir damit eine mögliche Eigenschaft von Bacopa Monnieri darstellen können. Gibt es aber noch mehr?

Interessant: Smog ist voller NO!

Bacopa Monnieri: Neurotransmitter für besseres Lernen

Während eine bessere Energiebereitstellung und weniger entzündliche Krisenherde bereits Grund genug sein können für einen potentiell positiven Einfluss auf unser Denk- und Lernvermögen, wurden bei Bacopa Monnieri noch eine weitere relevante Wirkweise beschrieben.

In a comprehensive study, Rastogi et al.7 investigated the neuroprotective mechanisms of purified bacosides (comprised of bacopaside I [5.37%], bacoside A3 [5.59%], bacopaside II [6.9%], bacopasaponin C isomer [7.08%], and bacopasaponin C [4.18%]) at dosages 50, 100, 200, 400, and 800 mg/kg per day orally for 3 months) on the aging biomarker lipofuscin (Fig. 1), oxidative stress, acetylcholine (ACh), (Fig. 2), monoamine levels (Fig. 3) as well as behavioral deficits in the aged rat brain. BM restored ACh and AChE concentrations to those seen in young rats. The authors supported the hypothesis6365 that the primary ACh-boosting mechanism of BM is not AChE inhibition but choline acetyltransferase activation (synthesis of ACh), and that up-regulated AChE expression is a response to heightened ACh tone. [Studie]

Eine vermehrte Produktion des Neurotransmitters Acetylcholin (ACh) steht in der Wissenschaft generell akzeptiert mit einer angeregten Lernfunktion und Gedächtnisbildung in Verbindung. Vor allem, wenn die daran beteiligten Enzyme gleichzeitig in vermehrter Dosis vom Körper produziert werden, kann ein solcher Effekt gut greifen und vom Körper verarbeitet werden. Anders gesagt scheint Bacopa Monnieri dem Körper dabei zu helfen, mehr “Lern-Einheiten“ (ACh) und gleichzeitig “Lern-Einheiten-Verarbeiter“ (AChE) zu bilden. Ein solcher Mechanismus könnte damit durchaus erklären, warum Bacopa Monnieri seit Jahrtausenden als Lern-Tonikum bezeichnet wurde. Gleichzeitig wurde aber auch beobachtet, dass andere stimulierende Neurotransmitter recht selektiv reguliert wurden. Glutamat wurde als ein stark stimulierender Neurotransmitter durch Bacopa Monnieri tendenziell inhibiert, während generelle Neurotransmitter für Aufmerksamkeit wie Noradrenalin nicht beeinflusst wurden.

Ein ruhiger Geist kann viel mehr fassen

Khan et al.73 found BM neuroprotective in an pilocarpine-induced epileptic rat model. Glutamatergic N-methyl-d-aspartate (NMDA) receptor 1 expression was down-regulated in the epilepsy group with no change in glutamate binding affinity. BM treatment of 300 mg fresh plant/kg per day orally for 15 days significantly reversed these changes to near-control levels (n=38). BM further reversed the increase of glutamate dehydrogenase seen in the epileptic group. […] Panax quinquefolium (PQ) was used as a positive control. Immobilization stress resulted in significant elevation of plasma corticosterone levels, which was significantly reduced by BM at oral doses of 40 and 80 mg/kg, comparable to oral PQ at 100 mg/kg. Treatment with BM attenuated stress-induced changes in levels of 5-HT and DA in the cortex and hippocampus but was ineffective in normalizing noradrenaline (NA) levels in the acute stress model, whereas PQ treatment significantly attenuated all assayed neurochemical effects of acute stress. [Studie]

Damit ließe sich durchaus behaupten, dass Bacopa Monnieri unsere Stress-Level im Rahmen halten kann, wir dabei jedoch keinen sedativen Effekt verspüren, sogar eher einen energetisierenden “Boost“ erhalten und generelle Neurotransmitter für Aufmerksamkeit wie Noradrenalin nicht beeinflusst werden, sondern erhalten bleiben. Zum Schluss kommen damit natürlich folgende Fragen auf: Wie wird Bacopa Monnieri am besten dosiert und gibt es Nebenwirkungen?

Bacopa Monnieri: Dosierung und Nebenwirkungen

Bacopa Monnieri ist – wenn überhaupt – nur schwer zu überdosieren. Selbst bei einer Menge von 500mg/Kg Körpergewicht konnten keine relevanten Nebenwirkungen bei Mäusen beobachtet werden [7]. Das wären umgerechnet 30-40 Gramm reines Bacopa Monnieri bei einem Menschen und damit weit entfernt von jeglicher normalen Dosierung, welche bei etwa 300 mg pro Tag liegt [8]. Bacopa Monnieri erfüllt also auch hier die Voraussetzungen, um als Adaptogen bezeichnet werden zu dürfen. Neben Ashwagandha, Cordyceps, Reihsi und Astragalus Membranaceus ist damit Bacopa Monnieri durchaus ein empfehlenswertes Adaptogen – nicht nur bei Krankheit, sondern generell als Supplement für jeden Menschen, der sich in der heutigen aufgeregten und schnellen Zeit ein wenig mehr kognitive und zelluläre Leistungsfähigkeit und vielleicht ein bisschen mehr geistige Ruhe wünscht.

Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3746283/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21972102
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22366895
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21762768
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23334615
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16051505
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17560704/
  8. https://examine.com/supplements/bacopa-monnieri/

Ähnliche Beiträge

Rhodiola Rosea: Emotionales Adaptogen?

Rhodiola Rosea: Emotionales Adaptogen? Adaptogene sind in vielen alten medizinischen Traditionen aus China, Indien und anderen Ländern als Heilpflanzen bekannt und ...
weiter lesen

Panax Ginseng: Kontroverse Wirkung auf die Gesundheit?

Panax Ginseng: Kontroverse Wirkung auf die Gesundheit? Ein wenig erinnern die Daten über Panax Ginseng an die Wirkung von Rhodiola Rosea ...
weiter lesen

Glänzender Lackporling, Ganoderma Lucidum, Reishi: Adaptogen für den Darm?

Glänzender Lackporling, Ganoderma Lucidum, Reishi: Adaptogen für den Darm? Seit einigen Jahrtausenden wurde der inzwischen weltweit bekannte Reishi-Pilz in der traditionellen ...
weiter lesen

Ginkgo Biloba: Adaptogen gegen Demenz?

Ginkgo Biloba: Adaptogen gegen Demenz? Ginkgo bzw. Ginko Biloba wurde in vielen Studien auf seine schützenden Eigenschaften hinsichtlich Demenz und anderen ...
weiter lesen

Cordyceps sinensis/militaris (Puppen-Kernkeule): Adaptogen für Energie und Libido?

Cordyceps sinensis/militaris (Puppen-Kernkeule): Adaptogen für Energie und Libido? The fungus Cordyceps sinensis has been described in old Chinese medical books from ancient times, ...
weiter lesen

Astragalus Membranaceus (Tragant): Adaptogen des Immunsystems?

Astragalus Membranaceus (Tragant): Adaptogen des Immunsystems? In der Mongolei und in Nordchina wurde vor einigen Jahrtausenden eine Pflanze mit gelblicher Wurzel ...
weiter lesen