Panax Ginseng: Kontroverse Wirkung auf die Gesundheit?

Ginseng bezieht sich meist auf den koreanischen Panax Ginseng

Ein wenig erinnern die Daten über Panax Ginseng an die Wirkung von Rhodiola Rosea (sibirischer Ginseng), was bei einer solchen Namensverwandtschaft wohl nicht überraschen sollte. Tatsächlich gibt es etwa 22 verschiedene Pflanzen, die mit dem Wort “Ginseng“ in Verbindung gebracht werden können. Dabei wird sich in Studien in der Regel auf den koreanischen bzw. “Panax“ Ginseng bezogen [3]. Obwohl Ginseng als Wirk- und Heilpflanze auf der ganzen Welt eine breite Bekanntschaft feiert, sind die Studien zu Panax Ginseng gar nicht so eindeutig, wie sein Ruf. Das hat jedoch seine Gründe, denn zum einen gibt es einige Dinge bei der Verwendung von Panax Ginseng zu beachten und zum anderen wird in Studien oft nur ein Bestandteil der gesamten Pflanze untersucht.

Panax Ginseng: Stress, Stickstoffoxid und Glutamat

Die Wirkbestandteile des Ginsengs werden generell als sogenannte Ginsenoide bezeichnet. Viele unter ihnen wurden dabei im Alleingang in ihrer Wirkung auf Zellkulturen und Tiere untersucht. Dabei kam es jedoch gelegentlich zu widersprüchlichen Ergebnissen:

The mode of the insulinotropic action of KRG was to act as an initiator for insulin release, not in a glucose-dependent manner. In general, the heat-processed KRG has been reported to have more potent pharmacological activities than nonprocessed KWG (Kim et al. 2000). KRG significantly evoked a stimulation of insulin release in normal pancreatic rat islets and may act by inhibiting the KATPchannel, thereby depolarizing the β-cells and stimulating Ca2+ influx (Kim and Kim 2008). These findings suggest that P. ginseng has beneficial effects in the treatment of diabetes at least in part via the stimulation of insulin release. [Studie]

Ein gutes Whey-Protein erkennt man allein schon daran, dass es einen nicht belastet. Nicht nur ist das ein Qualitätsmerkmal, sondern auch ein Grund, im stressigen Alltag auf Whey-Protein zurückzugreifen. Slow-Food braucht Ruhe und Zeit, um gut aufgenommen und verdaut zu werden und nicht im Bauch zu rebellieren. Viele Menschen leiden heute an etwas, was man wohl als Stop-and-Go bezeichnen könnte. Nahrung hat keinen Platz mehr, sondern wird schnell zwischendurch dem Körper zur Verfügung gestellt, damit er weiter leistungsfähig sein kann. Dass das seinen eigenen Kontext hat, sei mal dahingestellt. Steht ein Mensch unter Deadlines muss es manchmal schnell gehen. Im Gegensatz zu einer schweren Nährstoffpackung aus Fleisch, kann die meist in Wasser oder anderen Flüssigkeiten gelöste Eiweißmixtur unbeschwert aufgenommen werden. Bevor man also hungrig zu Fastfood oder Snacks aus dem Supermarkt greift, bietet Whey-Protein eine super Alternative!

Sorgt ein Substrat im Körper für eine erhöhte Freisetzung von Insulin, muss das nicht unbedingt etwas Gutes sein. Auf der einen Seite könnte es bedeuten, dass durch einen induzierten Stress der Blutzucker in den Versuchstieren erhöht und reaktiv Insulin ausgeschüttet wurde – oder aber es kommt durch den erhöhten Insulinspiegel zu einem Unterzucker, der die Person im Anschluss unter Stress setzt. Beide Situationen wären bei einem normal gesunden Menschen nicht von Vorteil. Ein gleichzeitig erhöhter Calcium-Influx in Zellen ist ein deutliches und allgemein anerkanntes Zeichen für zelluläre Erregung, Anspannung bzw. Stress. Auch andere Daten zu Panax Ginseng klingen nicht unbedingt positiv.

Among the mechanisms underlying the positive impact on brain aging related to impairment of cognitive function and memory, ginsenosides might potentiate the cholinergic system in CNS. ACH is a very important neurotransmitter in the brain, and its scarcity often leads to learning and memory impairment. Ginsenosides Rg1 and Rb1 were found to enhance the functions of the cholinergic system by increasing the density of central M-cholinergic receptors and increasing the level of ACH in the CNS (Zhang et al. 1988). Glutamate, another neurotransmitter, is also important for learning, memory, and cognitive function. Ginsenosides Rb1 and Rg1 facilitate the release of glutamate evoked by 4-aminopyridine, a potassium channel blocker that depolarizes nerve terminals in vitro (Chang et al. 2008), in a manner corresponding to in vivo depolarization (Tibbs et al. 1989). [Studie]

Erhöhte ACh-Spiegel (Acetylcholin-Spiegel) stehen auf der einen Seite zwar in Verbindung mit der Bildung von neuen Erinnerungen, während ein Übermaß an ACh unter Umständen sogar schädlich sein kann. Fehlen beispielsweise die nötigen Mechanismen zum Abbau, kann ein erhöhter Neurotransmitter-Pegel zu Zuständen wie einer cholinergen Krise führen [1]. Dabei wird bei Patienten ein überstimulierter Zustand beschrieben. Die gleichzeitige Entdeckung einer erhöhten Glutamat-Produktion durch Wirkstoffe des Ginsengs verstärken sogar ein solches Bild und schrecken eher ab. Dazu kommt, dass der Polysaccharid-Anteil von Panax Ginseng in Studien gleichzeitig zu einer erhöhten Produktion von Stickstoffoxid (NO) durch das Enzym iNOS führen konnte [2]. Stickstoffoxid ist ein sehr reaktives Gas, das auf vielen verschiedenen Ebenen zu Schaden führen kann und unter anderem vom Immunsystem verwendet wird, um beispielsweise bakterielle Invasoren durch eine stark entzündliche Reaktion zu beseitigen. Da jedoch dabei viel Kollateralschaden an eigenen Zellen entsteht, ist so ein Effekt nicht unbedingt wünschenswert. Generell schien das Immunsystem mehr zu aggressiverer immunologischer Aktivität durch die Bestandteile von Panax-Ginseng angeregt zu werden.

Mit solchen Ergebnissen wäre Panax Ginseng auf keinen Fall ein Adaptogen und sogar grundsätzlich nicht als Wirkpflanze empfehlenswert – warum hat es aber so einen guten Ruf?

Zu viele Neurotransmitter können einen ganz schön verwirren

Panax Ginseng: Ganzheitlicher Blick auf Wirkung und Funktion

Der Grund für solche doch recht negativen Daten zu Panax Ginseng liegt an sich bei der Art und Weise, wie diese Wirkpflanze untersucht wurde. Anstatt den Effekt der gesamten Pflanze an einem Menschen zu untersuchen, wurden oft spezifische Ginsenoide an Versuchstieren untersucht, während bei vielen Experimenten der Extrakt durch das Blut injiziert wurde, anstatt es durch eine orale Vergabe zuerst durch Magensäure und Bakterien verarbeiten zu lassen. Dabei ist durchaus bekannt, dass sowohl Hitze, pH-Wert (Magensäure) und Bakterien einen signifikanten Einfluss auf die Metaboliten von Panax Ginseng haben.

Ginsenosides undergo structural conversion under high temperature conditions, such as the decoction and steaming of ginseng, and in the acidic conditions in the stomach or due to metabolism by the intestinal bacteria. Some partially deglycosylated saponins, such as ginsenoside Rh1, Rg2, and Rg3, are obtained as byproducts produced during steaming of red ginseng (Figure 8.1a, b). [Studie]

Aus diesem Grund können natürlich viele unterschiedliche Studien aufgrund ihres Aufbaus extrem unterschiedliche Ergebnisse vorweisen. Während einzelne Ginsenoide den Körper in einen Stress-Zustand zu dirigieren scheinen, zeigte die gesamte Pflanze bei oraler Vergabe eine ganz andere Wirkung:

Ginsenosides affect voltage and ligand-gated ion channels including K+, Na+, and Ca2+ channels as well as N-methyl-D-aspartate (NMDA)-, nicotine-, and serotonin-gated ion channels (for a review, see [4]). […] Ginsenosides have direct neuroprotective effects against glutamate or Aβ stimulation. In cultured PC12 cells, glutamate decreased cell viability and increased intracellular calcium concentration and lipid peroxidation, which is evidenced by the excessive production of malondialdehyde and nitric oxide (NO) [18], all of which are prevented by ginsenosides. Whether the neuroprotective effects against glutamate has been related with the reported antagonistic activity of many ginsenoside such as Rg3 and Rh2 against NMDA receptors remains to be determined (for a review, see [19]). [Studie]

Vor allem bei Neurotransmittern spielt eine gesunde Balance eine wichtige Rolle!

Diese Studien zeigen also das genaue Gegenteil der gerade beobachteten Ergebnisse. Wurden andere Ginsenoide oder Bestandteile der Ginseng-Pflanze verwendet, zeigten sich entspannende und neuroprotektive Effekte. Im Grunde genommen sollte das sogar gar nicht wirklich verwundern. Vor allem bei einem regulierenden und breitgefächert wirkenden Stoff, können einzelne Bestandteile eine völlig unterschiedliche Wirkung erzielen. Auf der anderen Seite ist jedoch genau das auch der Grund, warum Panax-Ginseng – so wie Rhodiola Rosea – einen gewissen Kontext hat. Untersuchungen der gesamten Pflanze zeigten einen tendenziell aktivierenden Effekt auf so ziemlich alle relevanten Neurotransmitter – was nicht immer positiv zu bewerten ist.

Based on the anti-depressant effects of orally administered ginseng, Xu et al. [138] examined the effects of intestinal metabolite of ginseng, 20(S)-protopanaxadiol (code name S111) on depressive behavior in experimental animals, which was tested in tail suspension test and forced swimming test as well as olfactory bulbectomy depression model in rats. Interestingly, the antidepressant-like activity was comparable to that of fluoxetine and S111 increased monoamine neurotransmitters in the brain and showed modest inhibitory effects against neurotransmitter reuptake in vitro. In contrast to fluoxetine, S111 inhibited oxidative stress and reduced serum corticosterone level in olfactory bulbectomized animals suggesting S111 modulates depression-like behavior by regulating multiple targets including both central and peripheral inflammation, regulation of hypothalamic corticotrophin-releasing factor (CRF) and Neuropeptide Y (NPY) expression and regulation of glucocorticoid receptor and BDNF expression as well as neurofilament-L in hippocampus [133135,139]. Many of these results suggest that ginseng and ginsenosides regulate brain neurotransmitter turnover and hypothalamic- pituitary-adrenal axis. [Studie]

Während die Cortisol-reduzierenden Eigenschaften, eine Reduktion entzündlicher Marker und weitere hier beschrieben Eigenschaften von Panax-Ginseng durchaus wünschenswert sind, sollte man wohl mit dieser Pflanze etwas vorsichtiger umgehen. Nicht ohne Grund gibt es das sogenannte “Ginseng-Syndrom“ [3]. Dabei zeigten Patienten Anzeichen erhöhter Nervosität, Schlaflosigkeit, erhöhten Blutdruck und Durchfall. Als Grund wurden dabei zwei Faktoren angegeben: Dosierung und Qualität.

Panax Ginseng: Zusammenfassung, Dosierung und Kontext

Die Daten zu möglichen Nebenwirkungen machen Panax Ginseng eher zu einem “grenzwertigen“ Adaptogen, da ein Kriterium solcher Wirkpflanzen ist, dass sie selbst in höheren Dosierungen keine negativen Effekte auf einen lebenden Organismus haben dürfen. Zwar sind viele der hier dargestellten negativen Eigenschaften von Panax Ginseng schlichtweg ein Resultat selektiver Betrachtung einzelner Bestandteile der gesamten Pflanze – doch scheint die Verwendung angemessener Mengen durchaus bei diesem Tonikum eine relevante Rolle zu tragen. Generelle Empfehlungen zur Dosierung können dabei abhängig vom erwünschten Effekt variieren. Generell schienen tägliche Mengen von 1-2 Gramm keine negativen Effekte zu bewirken [4]. Höhere Mengen zeigten dabei eine tendenziell anregende Wirkung auf Libido, Blutdruck und Stickstoffoxid-Produktion [5]. Da andere Adaptogene wie Cordyceps, Reishi und Astragalus Membranaceus jedoch eine vergleichbare Wirkung ohne Nebenwirkung haben können, ist man mit diesen Pflanzen vielleicht besser aufgehoben. Davon abgesehen und wie bereits erwähnt, sollte bei Pflanzen wie Panax Ginseng immer ein Wert auf Qualität gelegt werden. Verunreinigungen sind bei beliebten Nahrungsergänzungsmitteln oft ein Thema, da Preis und Leistung Konkurrenten unter Druck setzen können. Panax-Ginseng und seine Namensvetter sind durchaus faszinierende Wirkpflanzen und können den Körper auf vielen Ebenen unterstützen. Viel hilft hier aber definitiv nicht immer mehr. Im Zweifelsfall sollte stets ein Experte in diesem Gebiet konsultiert werden.

Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK482433/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1572905/
  3. https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/364391
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3501011/
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3861174/

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