Infrarot-Licht und Gesundheit

Auf einen Blick:

  • Viel ist bekannt über schädliche Wirkweisen von blauem oder UV-Licht, doch die Natur will uns mit Sonnenlicht nicht unbedingt schaden
  • Alle Licht-Frequenzen haben ihre Aufgaben. Infrarot-Licht wirkt als Regulator und regenerativer Modulator, der sogar therapeutisch erfolgreich eingesetzt wird
  • LLLT (Low Level Laser-Light Therapy) ist eine der inzwischen recht bekannten Behandlungsansätze und zeigt vielversprechende Ergebnisse
  • Insbesondere bei Infrarotem Licht finden sich viele Anwendungen, da seine Wirkung direkt zellulär den Stoffwechsel unseres Körper positiv zu beeinflussen scheint
  • Eine einfache infrarote Lampe reicht aber nicht immer. LLLT arbeitet mit spezifischen Lasern und die Therapeuten besitzen in der Regel eine spezielle Ausbildung, um die richtige Bestrahlung für den jeweiligen Patienten zu ermitteln
  • Viele Studien weisen darauf hin, dass gewöhnliches Licht nicht tief genug in den menschlichen Körper eindringen kann, um eine Wirkung zu erzielen. Während es sicherlich Unterschiede zwischen einem intensiven Laser und einer Rotlicht-Lampe gibt, wird jedoch oft bei solchen Studien mit totem Gewebe gearbeitet, das völlig anders auf solche Stimuli reagieren kann, als ein lebendiges Wesen
Infrarot-Licht und Gesundheit

Entnommen aus: https://www.researchgate.net/publication/256835631_Low-Level_Laser_Light_Therapy_LLLT_in_skin_stimulating_healing_restoring

Die heilende Wirkung von Infrarot-Licht

Infrarot-Lampen sind an sich kein neuer Trend. Schon seit einigen Jahrzehnten setzten sich Menschen mit Kopfschmerzen oder Atemwegsproblemen vor ein rotes warmes Licht. Heliotherapie – also die therapeutische Behandlung von Patienten mit Licht – ist fast so alt wie viele Religionen zu Sonnengöttern aus dem Altertum. Inzwischen gibt es Licht-Behandlungen wie LLLT (Low Level Laser-licht Therapy), die mit dem gezielten Einsatz von Licht eine lange Liste an Erkrankungen behandeln. Während es dabei viele positive Studien zu Hauterscheinungen wie Narbengewebe, Akne, Cellulite, Neurodermitis und anderen Problemen gibt, erhält das Feld der Licht-Therapie immer mehr Rückenwind durch neuere Forschungsergebnisse. Rotlicht wirkt, abhängig von der Einsatzart gegen Entzündungen, schützt vor Neurodegeneration, hilft bei traumatischen Erlebnissen, verstärkt die körpereigene Energieproduktion und vieles mehr! Eine lange Liste für ein solch vermeintlich einfaches Mittel. Doch wie sind spezifische Lichtfrequenzen dazu überhaupt in der Lage? Dass sie unseren Biorhythmus beeinflussen, schädlich sein können und zusammen mit anderen Zeitgebern wie Kälte gemeinsam an unserer internen Ordnung arbeiten, ist in den verlinkten Artikeln beschrieben. Doch warum ist insbesondere (infra-)rotes Licht so eine gute Idee?

Grünes Licht für infrarot. LLLT und seine Wirkung

Die wohl aktuell am meisten diskutierte Version von Lichtbehandlung ist vermutlich LLLT. Hierbei werden je nach Produkt und Therapeut thermale oder non-thermale Photonen (Licht) mit unterschiedlicher Frequenz, Stärke und Flickerrate entweder speziell auf eine zu behandelnde Stelle, global, oder am Kopf und entlang der Wirbelsäule eingesetzt. Da inzwischen bekannt ist, dass unterschiedlichen Frequenzen unterschiedlich tief durch die Haut eindringen können, ist Teil der fachmännischen Expertise dabei, einzuschätzen, welche Frequenz der Patient benötigt. Ebenfalls sind die Effekte häufig abhängig von der Art der verwendeten Bestrahlung. Als einfaches Beispiel kann man das wie mit UV-B und UV-A vergleichen. Während beides Frequenzen des ultravioletten Spektrums sind, haben sie dennoch völlig andere Effekte auf uns, als auch andere Eindringtiefen. Bis heute kann man jedoch nicht mit Sicherheit sagen, dass wir alle Wirkmechanismen genau verstanden haben. Vieles ist noch empirisch und einige Studien zeigen ebenfalls keine, oder sogar negative Effekte [1]. Bevor aber über beeindruckende Ergebnisse unterschiedlicher Anwendungen und deren Kontext geschrieben wird, muss zuerst eine Frage geklärt werden: Was wissen wir aber bis heute über infrarot-Licht als therapeutisches Mittel?

LLLT, phototherapy or photobiomodulation refers to the use of photons at a non-thermal irradiance to alter biological activity. LLLT uses either coherent light sources (lasers) or non-coherent light sources consisting of filtered lamps or light-emitting diodes (LED) or, on occasion, a combination of both. The main medical applications of LLLT are reducing pain and inflammation, augmenting tissue repair and promoting regeneration of different tissues and nerves, and preventing tissue damage in situations where it is likely to occur.1,2 In the last few decades, non-ablative laser therapies have been used increasingly for the aesthetic treatment of fine wrinkles, photoaged skin and scars, a process known as photorejuvenation (Table 1). More recently, this approach has also been used for inflammatory acne (Table 1).3 LLLT involves exposing cells or tissue to low-levels of red and near infrared (NIR) light. This process is referred to as ‘low-level’ because the energy or power densities employed are low compared to other forms of laser therapy such as ablation, cutting, and thermally coagulating tissue. Recently, medical treatment with LLLT at various intensities has been found to stimulate or inhibit an assortment of cellular processes.4 [Studie]

Wie wirkt LLLT und infrarot-Licht?

The photons are absorbed by mitochondrial chromophores in skin cells. Consequently electron transport, adenosine triphosphate (ATP) nitric oxide release, blood flow, reactive oxygen species increase and diverse signaling pathways get activated. Stem cells can be activated allowing increased tissue repair and healing. In dermatology, LLLT has beneficial effects on wrinkles, acne scars, hypertrophic scars, and healing of burns. LLLT can reduce UV damage both as a treatment and as a prophylaxis. In pigmentary disorders such as vitiligo, LLLT can increase pigmentation by stimulating melanocyte proliferation and reduce depigmentation by inhibiting autoimmunity. Inflammatory diseases such as psoriasis and acne can also benefit. The non-invasive nature and almost complete absence of side-effects encourages further testing in dermatology. [Studie]

It is hypothesized that this absorption of light energy may cause photodissociation of inhibitory nitric oxide from CCO9 leading to enhancement of enzyme activity,10 electron transport,11 mitochondrial respiration and adenosine triphosphate (ATP) production (Figure 1).1214 In turn, LLLT alters the cellular redox state which induces the activation of numerous intracellular signaling pathways, and alters the affinity of transcription factors concerned with cell proliferation, survival, tissue repair and regeneration (Figure 1).2,5,6,15,16 [Studie]

Solche Aussagen sind beeindruckend! Eine der vermutlich besten Theorien zu Licht ist ihr Effekt auf zellulärer Ebene. Unsere Zellen, aber auch ihre lebenswichtigen Kraftwerke – unsere Mitochondrien – besitzen sogenannte Chromophore, die Licht absorbieren und reflektieren können, was zu unterschiedlichen Signalen und Effekten führen kann. Wie in dem oberen Zitat beschrieben, kommt es dadurch zu einer verbesserten Arbeit unserer Zellen, bessere Regeneration und viele Krankheiten können dadurch positiv beeinflusst werden. Das Gleichgewicht aus Oxidation und Reduktion in Zellen kann unterstützt werden und dadurch nicht zuletzt auch “Schäden“ durch UV-Strahlung präventiv vorsorgen. Kein Wunder also, dass Sonnenlicht in dieser Art und Weise schon seit Jahrmilliarden arbeitet, oder (Link UV und Hormone)? Ebenfalls kein Wunder, dass in der heutigen Zeit voller Schichtarbeit, Arbeit in Büros und künstlichem Licht mit hohem Blaulicht Anteil die Anwendung von Licht als therapeutisches Mittel ein solches Potential besitzt! Wie äußert sich das aber in den Ergebnissen? Gibt es Studien, die so vielversprechende Theorien Hand und Fuß geben können?

Licht als Therapie
Für den Körper spielen Farben eine Rolle

Therapeutische Anwendung Beispiele

Animal studies of low-level infrared light therapy (LLLT) have shown demonstrable neuroregeneration and repair (Oron et al., 2006; Lapchak, 2010; Xuan et al., 2014; Henderson and Morries, 2015a). In rodent models of stroke, light delivered with power densities of 0.9 – 36 J/cm2 applied at 24 hours after injury reduced neurological deficits by 32% and induced neuron proliferation and migration (Chung et al., 2012). In animal models of traumatic brain injury (TBI), the number of apoptotic neurons was reduced following LLLT using similar fluence (Oron et al., 2007; Xuan et al., 2014; Henderson and Morries, 2015a). In addition, decreased expression of pro-apoptotic genes, increased expression of anti-apoptotic genes, and increased expression of neurotrophic factors, such as nerve growth factor and brain-derived neurotrophic factor (BDNF), were induced by near-infrared light in a fluence range of 0.9 – 36 J/cm2 (Xuan et al., 2014; Henderson and Morries, 2015a; Morries et al., 2015) [Studie]

Das 21.Jahrhundert scheint offensichtlich sehr interessiert an infrarot-Licht zu sein. Wie so oft, werden Studien jedoch bei Tieren gerne angezweifelt. Vor allem Mäuse sind nachtaktive Wesen und bei Studien zu Licht, kann man also definitiv eine gesunde Skepsis an den Tag legen. In einigen Studien an Menschen konnte man inzwischen  vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich Cellulite, Kollagensynthese, Hautgefühl und anderen Hautbild-Themen aufzeigen [2]. Kein Wunder, jedoch wunderbar, dass bei dieser Studie primär Frauen die Probanden ausmachten. Da jedoch viele Studien Frauen als Teilnehmer aufgrund ihrer stark hormonellen Schwankungen eher vermeiden, ist das vielmehr ein großer Pluspunkt!

Andere Studien beschäftigten sich mehr mit gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen, wie traumatische Unfälle und Erlebnisse. Die Folge sind nicht nur mögliche körperliche Einschränkungen, sondern häufig entzündliche Marker, sowie Verhalten, Lebensqualität und vieles mehr kann stark eingeschränkt sein. In einer Studie wurden genau solche Patienten mit spezifischem Licht insgesamt 10-20 Mal behandelt [3]. 60% der Teilnehmer hatten nach der Therapie keine verbleibenden Symptome und der Rest wies nur noch milde oder stark reduzierte Beschwerden auf. Selbst traumatische Erlebnisse, die einige Jahrzehnte zurücklagen, konnten durch die Behandlung signifikant und positiv beeinflusst werden.

Symptoms such as headache, insomnia, irritability, anxiety, depression, suicidal ideation, fatigue, and memory or concentration difficulties were resolved or greatly reduced and did not recur. Some patients are now four years since they completed treatment and they have continued to do well, according to follow-up interviews and reports from the referring physicians. [Studie]

Gibt es also ab sofort nicht Gesundheit aus der Dose, sondern aus der Steckdose? Die Ergebnisse und der Wirkmechanismus sollte schließlich jeden aufmerksamen Therapeuten hellhörig machen, oder? Neben Hautbeschwerden werden Neurodegeneration, Depression und andere psychologische Beschwerden ja offensichtlich stark in ihre Schranken gewiesen, während unsere zellulären Öfen auf Hochtouren arbeiten können.

LLLT als therapeutische Intervention braucht Experten und hochwertiges Material

Während ein Spaziergang draußen im Sonnenlicht recht simpel klingt, lebt nicht jeder in warmen und hellen Ländern oder hat nur selten die Möglichkeit, z.B. mittags für eine längere Zeit leicht bekleidet seine Licht-Batterien aufzutanken. Stellt man nun also einfach eine Infrarot-Licht Lampe neben sich auf den Schreibtisch? Nicht ganz. In drei Studien zeigten sich zum Teil signifikante, zum Teil ineffektive Ergebnisse bei der Behandlung mit Nah-Infrarot-Licht-Lampen bei kardiovaskulären Ereignissen [4,5,6]. Auch zeigen Untersuchungen, dass die Eindringtiefe von gewöhnlichen infraroten Lichtquellen in den Körper viel zu gering ist, um wirklich einen Effekt zu haben – außer man würde spezifische “Laser“ verwenden, die zum Teil eine hohe Leistungsfähigkeit haben müssen, um mehr als nur für warme Haut zu sorgen.

Second, there are significant variations in terms of dosimetry parameters: wavelength, irradiance or power density, pulse structure, coherence, polarization, energy, fluence, irradiation time, contact vs non-contact application, and repetition regimen. Lower dosimetric parameters can result in reduced effectiveness of the treatment and higher ones can lead to tissue damage.1This illustrates the concept of the biphasic dose response that has been reported to operate in LLLT 1,18,19. Many of the published studies on LLLT include negative results. It is possibly because of an inappropriate choice of light source and dosage. It may also be due to inappropriate preparation of the patient’s skin before application of LLLT, such as: lack of removal of makeup and oily debris, which can interfere with the penetration of the light source, and failure to account for skin pigmentation.17 Inappropriate maintenance of the LLLT equipment can reduce its performance and interfere with clinical results as well. It is important to consider that there is an optimal dose of light for any particular application. [Studie]

Wenn es um die therapeutische Anwendung von Licht geht, oder um die Anwendung von LLLT als behandelnde Maßnahme, sind die verwendeten Lichtgeräte häufig aufwändiger, als nur ein schnöder roter Strahl aus einer Lampe vom Supermarkt. Der Therapeut muss sich bestens auskennen und auch den Patienten entsprechend vorbereiten. Wird ein starker Laser verwendet, sind ebenfalls stets Gefahren damit verbunden. Doch auf der anderen Seite haben auch die natürlichen Rotlichtlampen ihren Reiz und positive Wirkungen, die man nutzen kann.

Infrarotes Licht: Wasser, lebende Organismen und zelluläre Zombies

Wir können nur schwer einem Menschen rotes Licht auf den Schädel scheinen lassen und nach einigen Stunden ihn im Anschluss „öffnen“, um zu überprüfen, was sich verbessert hat oder ob das Licht überhaupt durchgedrungen ist. Studien zur Eindringtiefe von infrarotem Licht werden häufig entweder an Zellen, Hautfragmenten oder toten Tieren und an Leichen durchgeführt [1,3,7]. Dass sich jedoch ein lebendiger Organismus massiv von Zombies oder Zellen unterscheidet, ist unbestreitbar. Trifft Licht auf unsere Haut, reagiert es nicht nur mit den Hautzellen. Unser Körper besteht zu einem großen Teil aus Wasser und auch wenn die breite Wissenschaft sich nicht mit Arbeiten wie denen von Prof. Gerald Pollack beschäftigt, ist genau Wasser eines von vielen Medien in unserem Körper, das genau einen solchen Impuls weitaus tiefer bis in unsere Zellen und Organe transportieren kann. Daher sind selbst schwache Infrarotlampen wertvoller, als sich den gesamten Tag mit ausschließlich anregendem und (über)stimulierendem künstlichen blauen Licht zu bombardieren. Ganz davon zu schweigen, dass Haut Sonnenlicht braucht. Nicht nur, wie immer deutlicher wird, allein wegen Vitamin D!

Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27379378
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3926176/
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4870908/
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17463313
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23660846
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3059546/
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4763141/

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