Omega-3 und Schwangerschaft: Mentales Babybenzin (Teil 2)

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Den 1. Teil schon gelesen?

Aus den Augen eines Mediziners ist die Schwangerschaft in vielerlei Hinsicht ein seltsamer Prozess. Während neues Leben im Bauch der Mutter heranwächst, verändert sich das Mikrobiom der Mutter [1,2]. Sie entwickelt eine Art Insulinresistenz und hat erhöhte Entzündungswerte – insgesamt tanzen viele normale Mechanismen aus der Reihe. Vieles dient dem Nachwuchs als Vorbereitung auf das Leben, das es vor sich hat. Das Immunsystem wird stimuliert und entwickelt sich dadurch. Abhängig davon, wie gut das Kind durch Nährstoffe von seiner Mutter versorgt wird, kann es gesund im Mutterleib heranwachsen.

Eine zentrale Rolle scheinen hier Omega-3-Fettsäuren EPA & DHA zu spielen. Vor allem während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren helfen diese Fettsäuren dem Kind bei der Entwicklung von kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten. Während der Entwicklung des Kindes sammelt sich beispielsweise DHA, eine der zentralen Omega-3-Fettsäuren, vermehrt im Gehirn an. Das funktioniert natürlich nur, so lange mögliche Reserven bei der Mutter vorhanden sind [3]. Omega-3-Fettsäuren spielen für jeden Menschen und seine Gesundheit eine wichtige Rolle, wobei werdende Mütter sich um zwei Lebewesen “kümmern” müssen.

So wichtig ist Omega-3 in der Schwangerschaft

Das Kind im Mutterbauch wird durch die Reserven der Mutter versorgt. Doch auch die Mutter braucht eine gute Versorgung durch hochwertige Quellen. Perinatale Depressionen der Mutter nach der Geburt sind ein wichtiges Thema in der Wissenschaft und während sicherlich viele Faktoren hier eine Rolle spielen (soziales Umfeld, der Darm etc.), ist die Verbindung zu einer guten Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren EPA & DHA wissenschaftlich gut belegt[3,4]. Omega-3-Fettsäuren sind bekannt für ihren positiven Effekt auf unsere Stimmung, den es über verschiedene physiologische Wege erreicht – verringerte Oxidation und entzündliche Prozesse spielen hier eine große Rolle[5]. Widersprüche bzw. schwächere wissenschaftliche Beweise gibt es natürlich auch. Das ist aber nicht verwunderlich, wenn man Omega-3-Fettsäuren in ihrem Kontext versteht. Dazu gleich mehr.

Neben einigen menschlichen Studien zeigen auch eine Vielzahl an Studien mit Tieren was die Folge eines schlechten Omega-3-Status ist: eine reduzierte neuronale Verzweigung, Dysfunktionen in der Übertragung von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin (Stimmung, Suchtverhalten) und vermehrte Anzeichen von Angst oder Aggression[6,7]. Selbst Frühgeburten können mit einer Unterversorgung an den essentiellen Omega-3-Fettsäuren EPA & DHA des kindlichen Gehirns zusammenhängen[3]. Frühgeburten stehen unter erhöhtem Risiko ADHS, bipolare-Störungen und ähnliche neuronale Erkrankungen zu entwickeln. Hier stellt sich natürlich die Frage nach der Dosis. Ist es nun sinnvoll Müttern generell eine höhere Dosis an Omega-3-Fettsäuren zu empfehlen? Nicht unbedingt. Wichtig ist hier zu wissen, wie gut die werdende Mutter bereits mit Omega-3-Fettsäuren versorgt ist. Bevor also teuer Geld für ein hoffentlich hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben wird, sollte man zuvor zwei Werte messen. Den hoch sensitiven-Omega-3-Index und das Verhältnis zwischen Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren kann man mithilfe einer spezifischen Blutanalyse genau feststellen.

Omega-3-Fettsäuren sind fragile Teamspieler

Omega-3-Fettsäuren sind abhängig von vielen weiteren Faktoren. Eine negative Rolle spielt dabei zum Beispiel die Zufuhr von Omega-6-Fettsäuren der Mutter. Während vor Millionen von Jahren bis hin zu einigen hundert Jahren zuvor noch meist das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 bei den meisten Menschen sich in einem Bereich von etwa 3:1 befand, liegen wir heute meist durch unsere Ernährungsweise in einem Bereich von etwa 10:1 oder sogar deutlich höher (20:1 oder 40:1)[8].

Beide Fettsäuren können konkurrierend wirken und so einen möglichen positiven Effekt einer Versorgung durch Omega-3-Fettsäuren verhindern[8]. Neben einer artgerechten Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist im gleichen Zusammenhang auch eine Balance zu anderen Fetten zu beachten. Quellen für Omega-6-Fettsäuren gibt es heute viele: Öle zum Braten (Raps-, Mais-, Sonnenblumen- und andere Öle), stark verarbeitete Produkte, Fleisch aus Massentierhaltung und auch Fische, die beispielsweise aus einer nicht artgerechten Aquakultur stammen. Wer also meint, dass einige Kapseln Fischöl beispielsweise eine Tiefkühlpizza “entschärfen“ können, liegt falsch. Ganz davon zu schweigen, dass die meisten heute erhältlichen Fischöl-Supplemente durch ihre Verarbeitung stark oxidiert und in dieser Hinsicht schädlicher sind, als man vermuten möchte. Studien gibt es genug, die auf schädliche Substanzen durch sogenannte Lipid-Peroxidation von Omega-3-Fettsäuren hinweisen. Gute Hinweise für die Qualität von hochwertigen Ergänzungen liefert der TOTOX-Wert[9]. Je tiefer, desto weniger oxidativen Prozessen waren der Rohstoff und das Produkt während der Verarbeitung ausgesetzt. Der Wert sollte idealerweise unter 10 liegen. Einfach gesagt sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren (auch PUFAs genannt) aufgrund ihrer Struktur sehr instabil und oxidieren gerne “unkontrolliert”. Ist das der Fall, dann haben diese Fette eine ganz andere Wirkung – und in der Regel eine Schlechte. Wer also gesundheitsbewusst für eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sorgen möchte, braucht einen ganzheitlichen Ansatz. Das gilt nicht nur für werdende Mütter. Mehr Informationen über Nahrungsergänzungen, Omega 3, Oxidation, Qualitätsstandards und worauf es wirklich ankommt, sind hier zu finden.

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Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4943946/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28787280
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3046737/
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20099994
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3976923/
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27450580
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4540034/
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3720081/
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4678768/

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