Vitamin D Mangel: Vermeidung der D-Generation

Auf einen Blick

  • In vielen Ländern, vor allem auch in Europa, existiert ein Vitamin D Mangel bei bis zu 91% der gesamten Bevölkerung
  • Kinder brauchen noch bevor sie auf die Welt kommen eine ausreichende Zufuhr
  • Erst ab einem Bereich von 40-50 ng/mL scheinen Mütter effektiv ihr heranwachsendes Kind im Mutterleib zu versorgen
  • Für Kinder spielt Vitamin D unter anderem eine Rolle bei der adaptiven und angeborenen Immunität, als auch bei der kognitiven und gesunden geistigen Entwicklung
  • Während der Schwangerschaft sollten Mütter mit einem Vitamin D Mangel mindestens 5.000 IU/täglich zu sich nehmen, unter der Bedingung, dass sie einen grundsätzlich ausreichenden Status haben
  • Kinder sollten 1.000 IU pro 11 kg Körpergewicht als Ergänzung bekommen, sollten sie einen zu niedrigen Vitamin D Status besitzen (unter 40-50 ng/mL)
  • Viele Gründe, unter anderem der heutige Lebensstil, sorgen für eine Pandemie an Vitamin D Mangel – (Klein-)Kinder eingeschlossen
Sonne für Kinder

Vitamin D und die Gesundheit unserer Kinder

[Joy A. Weydert 2014]

Fehlt uns ein bestimmtes Mineral, können Mangelerscheinungen auftreten. Meist sind diese Stoffe beteiligt an unzähligen Vorgängen im Körper, die wir für eine optimale Leistung benötigen. Was aber, wenn einem Menschen ein Vitamin (oder treffender ein Hormon) fehlt, das so ziemlich an jeder Zelle des Körpers andocken kann und bestimmte Abläufe koordiniert? Die Rede ist natürlich von Vitamin D – mit all seinen etwa 200 verschiedenen bis jetzt bekannten Effekten auf Genexpression und vielem mehr. Bis heute sind die gesammelten Daten über unsere Versorgung nicht gerade rosig. Abhängig davon, in welchem Land man sich befindet, sind etwa 27% bis 91% der Bevölkerung deutlich unterversorgt [1]. Während die Folgen bei Erwachsenen stark die Lebensqualität und die Gesundheit einschränken können, spielt das Sonnenhormon vor allem bei Kindern – selbst noch bevor sie das Licht der Welt erblicken – eine noch gewaltigere Rolle und kann neben kognitiver Leistungsfähigkeit, sozialem Verhalten, körperlicher Entwicklung auch das Immunsystem beeinflussen. Bei einem Mangel wiederum kehren sich alle diese positiven Effekte in die andere Richtung  und das Kind wird z.B. deutlich anfälliger für Krankheiten vieler Art. Kaum ein Wirkstoff wurde durch die Wissenschaft der letzten Jahre so stark unter die Lupe genommen.

In einem im Jahr 2014 veröffentlichen Artikel von Joy A. Weydert, ging die Autorin den Effekten von Vitamin D bei Kindern auf die Spur. Neben gesunden Knochen und einem kräftigen Wachstum, kann Vitamin D laut Weydert noch weitaus mehr. Schon bereits im Leib der Mutter, während das Kind als Fötus am Heranwachsen ist, wird es durch die Mutter versorgt – vorausgesetzt sie besitzt einen angemessenen Status von Vitamin D von etwa 40-50 ng/mL [2].

Neugeborene Kinder besitzen sprichwörtlich ein unerfahrenes Immunsystem. Viele Keime sind neu und vor allem in dieser Zeit ist für Kinder ein gesundes angeborenes und adaptives Immunsystem absolut wichtig. Muss das Kind einen Erreger bekämpfen, sorgt Vitamin D für eine bessere Aktivität von verschiedensten Immunzellen (Makrophagen, Monozyten und Lymphozyten). Fällt der Status des Kindes auf unter 20 ng/mL, können die Immunzellen nur noch schwer antimikrobielle Peptide und andere Abwehrkräfte zum Krisenherd rufen. Nicht überraschend weisen einige Studien darauf hin, dass vor allem in den Wintermonaten und bei Menschen mit Vitamin D Mangel beispielsweise Influenza-Viren und Erkrankungen der oberen Atemwege etwa zu 40% häufiger auftraten [3].

Als wäre das nicht schon Grund genug, hat Vitamin D ebenfalls seine Finger beim adaptiven, erworbenen Immunsystem mit im Spiel. Das Risiko von Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Diabetes mellitus Typ 1 – beide heute bekannt als Autoimmunerkrankungen – waren bei Frauen in lichtärmeren Regionen und ohne Supplementierung teilweise um bis zu 100% erhöht [4]. Natürlich ist die Liste der möglichen Erkrankungen noch länger. Bekannte Krankheiten wie Rheuma und Morbus Crohn sind nur zwei davon. Indem Vitamin D sowohl T-, als auch B-Zellen des Immunsystems und ihre Signalgeber (Zytokine) reguliert, werden sowohl entzündliche/aggressive Reaktionen des adaptiven Immunsystems gesteuert und entzündungshemmende Signale bevorzugt produziert (z.B. IL-3,4,5,10). Autoreaktive Antikörper treten dadurch indirekt weniger auf und die Chance einer Autoimmunkrankheit wird drastisch reduziert.

Als kleiner Zusatz zu Typ 1 Diabetes mellitus: In einer Studie wurde gezeigt, dass gesunde Vitamin D Level ebenfalls zu einer besseren glykämischen Kontrolle und weniger benötigtem Insulin bei Kindern führte [5].

Weydert ging in ihrem Artikel noch auf viele weitere Effekte ein. Darunter Fibromyalgie, Schmerzempfinden im Generellen und Leistungsfähigkeit der Muskulatur – aber auch schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs wurden von ihr in Verbindung gesetzt mit einem niedrigen Vitamin D Status. Große Aufmerksamkeit schenkte sie ebenfalls dem Erhalt und der Entwicklung kognitiver Leistungsfähigkeit, wie auch einer gesunden und stabilen Psyche.

Während das Kind im Bauch der Mutter erst so richtig beginnt zu entwickelt, ist der Kopf des Kleinen bereits intensiv am Bauen. Neuronale Verknüpfungen werden hergestellt. Axone, Astrozyten und Dendriten bilden sich aus – alles abhängig von der Versorgung durch die Mutter. Eine wichtige Rolle spielt hier natürlich auch Vitamin D. Während und nach der Schwangerschaft ermöglicht Vitamin D die normale Aktivität und Übertragungskraft von Rezeptoren, notwendig für eine gesunde Entwicklung des Gehirns und kognitiver Leistungsfähigkeit [6]. Vitamin D hat einen direkten Effekt auf Proteinstrukturen die verantwortlich sind für unsere Lernfähigkeit, unser Gedächtnis, unsere Motorik und unser soziales Verhalten. Weydert führte einige Krankheiten wie Schizophrenie, Autismus und anderen psychologische Erkrankungen auf, die bei Kindern mit Vitamin D Mangel deutlich häufiger auftraten, als bei “Kontrollgruppen“.

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Was also tun? Wichtig wäre als erstes die Eltern gut zu versorgen. Die Schwangerschaft spielt für das Kind eine enorme Rolle. Empfohlen werden für Erwachsene eine tägliche Dosierung von etwa 5.000 IU, um den Wert bei einem Defizit auf 40-50 ng/mL zu erhöhen. Kommt das Kind auf die Welt, sollte man ebenfalls nach der Geburt gute Quellen zur Hand haben. Von einem Mangel sind in der Regel besonders Kinder betroffen, die:

  • Babynahrung oder/und Muttermilch mit wenig Vitamin D Gehalt erhalten
  • Weitab vom Äquator oder in starker Luftverschmutzung leben und selten die Sonne sehen
  • Übergewicht und/oder eine dunkle Haut besitzen oder aufgrund kultureller Gründe den Großteil ihrer Haut verdecken
  • An Beschwerden oder Krankheiten leiden oder Medikamente nehmen, die eine normale Absorption von Vitamin D verhindern (dazu zählen auch Verdauungsprobleme bei Vitamin D durch die Nahrung)
  • Einen Lebensstil führen, der sie selten das Licht der Sonne sehen lässt

Vor allem der letzte Punkt ist in Ländern wie Deutschland weit verbreitet. Computerspiele, alltägliche Schule und genereller Lebensstil führen heutzutage unsere Kinder immer weniger an die frische Luft.

Laut der Meinung einiger Experten sollte man Kindern etwa 1.600 IU/Tag verabreichen, vorausgesetzt das Kind leidet an einem Defizit (unter 40 ng/mL) [7]. Als Faustregel kann man folgende Formel verwenden: 1.000 IU pro 11 kg Körpergewicht über das Jahr hinweg. Angemerkt sollte natürlich wie immer werden, dass pauschale Aussagen zur individuellen Versorgung im Kontext gesehen werden sollten. Am besten kann sich jeder einen Überblick über seinen Zustand durch eine Testung machen und von dort aus weitere Schritte unternehmen. Abgesehen davon wäre natürlich eine sehr schöne Alternative mit seinen Kindern häufiger einen Sandkasten im Sonnenschein unsicher zu machen.

Quellenangabe:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23790560/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15585800/
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19237723/
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12505287/
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27607348
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15589699/
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23632722/

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