Lactoferrin und Eisenpräparate im Vergleich: Metaanalyse 2017

Auf einen Blick:

  • Ein Viertel aller schwangeren Frauen in Europa und Amerika leiden laut Studien an Eisenmangelanämie
  • Gewöhnliche Eisenpräparate besitzen meist Nebenwirkungen – darunter auch unangenehme Beschwerden im gastrointestinalen Bereich
  • Eine ganz neue Metaanalyse (Übersichtsarbeit) von 2017 zeigte Lactoferrin gegenüber gewöhnlicher Eisen-Supplementierung deutlich überlegen
  • Lactoferrin wurde gegen Nahrungsergänzungsmittel wie Eisensulfat bei Schwangerschaft getestet und war von der gewünschten Wirkung mindestens gleichwertig
  • Lactoferrin zeigte bei den Probanden aber keine Nebenwirkungen wie andere Eisenprodukte
  • Lactoferrin schien entzündliche Marker zu senken, während gewöhnliche Supplemente Werte wie Interleukin-6 erhöhten
  • Hepcidin und Ferroportin – zwei der wichtigsten Eisenregulatoren in unserem Körper werden regulierend durch Lactoferrin beeinflusst
  • Erhöhte entzündliche Marker sorgen für erhöhte Hepcidin-Werte und dadurch zu weniger Eisen für unsere Zellen
  • Kritik: Die untersuchten Studien gingen bis maximal 8 Wochen. Langzeitstudien werden weiterhin benötigt
  • Die Wissenschaftler legen nahe, gewöhnliche Eisenpräparate gegen Lactoferrin zu tauschen!
Lactoferrin Schwangerschaft

Lactoferrin und Eisenpräparate im Vergleich: Metaanalyse 2017 bei Schwangeren

Abu Hashim H. et al. (2017)

Ein Viertel aller schwangeren Frauen in Europa und Amerika leiden an Eisenmangelanämie [1]. Während bis heute noch in der Regel Eisenpräparate verabreicht werden, wurde gegen Ende 2017 eine neue Metaanalyse veröffentlicht. Könnte man durch bovines Lactoferrin den gleichen oder sogar besseren Erfolg erzielen? Hashim H. et al. zeigten nicht nur, dass Lactoferrin in seiner Wirkung dem schnöden Eisen in nichts nachstand, sondern dass bekannte Nebenwirkungen, die oft zum Abbruch der Supplementierung führten bei Lactoferrin nicht entstanden. Dazu zählten insbesondere Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes – und das hat natürlich seine Gründe.

Metaanalysen sind eine gute Möglichkeit, um den aktuellen Stand der Wissenschaft zu bestimmten Zusammenhängen zusammenzufassen. Inzwischen gibt es zu Lactoferrin mehrere tausend Studien die Wirkung und Mechanismen des kleinen Glykoproteins genauestens beschreiben. Was sind aber seine Vorteile gegenüber gewöhnlichen Eisenpräparaten?

Eisen sorgt für Unruhe im Darm

Es ist bekannt, dass die meisten Eisenpräparate nicht sonderlich gut im Darm aufgenommen werden. Nur maximal etwa 20-30% des zugeführten Eisens landen wirklich im Körper. Der Rest – also 70-80% – bleiben im Darm bestehen und sorgen unter anderem für Schaden an der Darmschleimhaut (Eisen oxidiert leicht) [2]. Außerdem zählt es als Nährstoff für viele oft schädliche Bakterien, die im Darm Lipopolysaccharide (LPS) produzieren können [2,3]. Dazu im Gegensatz wird Lactoferrin nicht nur anders aufgenommen [4,5]. Während schon im 20. Jahrhundert Wissenschaftler spezifische Rezeptoren im Darm für Lactoferrin entdeckten, die die Aufnahme von Eisen drastisch zu verbessern schienen, ist Lactoferrin ein bakteriostatisches Mittel, dass vor möglichen Dysbiosen im Darm sogar schützen kann [6]. Nicht nur bindet es LPS und macht sie unschädlich, auch das Immunsystem selbst wird unterstützt und entzündliche Belastungen können sich reduzieren. Sich hier also nur auf “weniger gastrointestinale Nebenwirkungen“ zu beschränken wäre bescheiden. Unser Darm ist seit etwa einem Jahrzehnt mit gutem Grund sehr nahe an das Zentrum aktueller Forschung vorgestoßen.

Lactoferrin reguliert besser als gewöhnliches Eisen

Wie schon bereits angesprochen oxidiert Eisen gerne in unserem Körper. Durch akute Dosen wäre damit nicht nur unser Darm und seine Mitbewohner unter Beschuss – auch wir selbst können durch ein akutes oder chronisches “Zu-Viel“ im Körper unter erhöhten entzündlichen Belastungen leiden.

So wurde auch in dieser Metaanalyse eine Studie beschrieben, bei der bei Probanden mit Lactoferrin sogar eine Reduktion von Interleukin-6 stattfand, während die Teilnehmer mit Eisensulfat das Gegenteil ereilte [7]. Entzündliche Signalgeber wie Interleukin-6 wiederum aktivieren Proteine wie Hepcidin in der Leber, die das freie Eisen wieder vermehrt versuchen zu binden. So gäbe es kontinuierliche Schwankungen und keine gesunde Balance. Studien der Jahre zuvor hatten schon vermehrt auf die Fähigkeit von Lactoferrin hingewiesen, Eisen reversibel zu binden und je nach Bedarf des Körpers Eisen dosiert im Körper frei zu lassen – ohne dabei ein entzündliches Feuerwerk in unserem Inneren zu entfachen [8]. Lactoferrin zeigte in der Metaanalyse neben seiner besseren Aufnahme regulierende Effekte sowohl auf Hepcidin, als auch auf seinen Gegenspieler, Ferroportin  und schien so individuell angepasst den persönlichen Bedarf an Eisen auszugleichen [7,9].

Die Metaanalyse zeigte deutlich, dass sowohl Eisenpräparate wie Eisensulfat, als auch Lactoferrin dazu in der Lage sind, Menschen bei Mangel effektiv mit Eisen zu versorgen. Die Ergebnisse waren sogar moderat besser für bovines Lactoferrin ausgefallen. Was jedoch die Wissenschaftler betonten war, dass man aufgrund der fehlenden “Nebenwirkungen“ von Eisen auf bovines Lactoferrin umsatteln sollte. Schließlich sind vermehrte Entzündungen und Darmdysbiosen keine wünschenswerte Effekte und ebenfalls für Mutter und Kind im Übermaß schädlich [10,11].

Lactoferrin Eisenhaushalt

Lactoferrin hat bis heute eine weiße Weste, doch sollte man auch diese Studie mit Vorbehalt betrachten. So wie die meisten Studien zu Lactoferrin, wurden auch die hier untersuchten Arbeiten mit insgesamt 600 Teilnehmerinnen nur für 4 bis maximal 8 Wochen durchgeführt. Daher sind langfristige Effekte einer chronischen Lactoferrin-Einnahme nicht ausreichend untersucht. Hashim H et al. hatten selbst darauf hingewiesen und es bleibt zu hoffen, dass in diesem Bereich in den kommenden Monaten und Jahren mehr Arbeiten erscheinen! Dass jedoch Lactoferrin in dieser frischen Metaanalyse als klarer Sieger hervorging, ist unbestreitbar.

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