Kollagen · Glycin · Prolin · Hydroxyprolin

Kollagen-Aminosäuren: Glycin, Prolin und Hydroxyprolin

Kollagen besitzt ein ungewöhnliches Aminosäureprofil. Besonders charakteristisch sind Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Gemeinsam prägen sie die Struktur des Kollagenproteins und unterscheiden Kollagen deutlich von klassischen Proteinquellen wie Whey, Soja oder Erbse.

Gly
Pro
Hyp
Gly Hyp

Glycin (Gly), Prolin (Pro) und Hydroxyprolin (Hyp) bilden gemeinsam einen besonders großen Anteil der Aminosäuren im Kollagen.

Ein ungewöhnliches Protein

Was macht das Aminosäureprofil von Kollagen besonders?

Proteine bestehen aus Aminosäuren. Welche Eigenschaften ein Protein besitzt, hängt jedoch nicht nur davon ab, welche Aminosäuren enthalten sind, sondern auch von ihrer Menge und ihrer Reihenfolge innerhalb der Proteinkette.

Kollagen besitzt dabei ein besonders charakteristisches Muster. Glycin befindet sich innerhalb der helikalen Kollagenstruktur an jeder dritten Position. Prolin und Hydroxyprolin sind ebenfalls außergewöhnlich häufig.

Gly

Glycin

Die kleinste proteinbildende Aminosäure. Ihre geringe Größe ist entscheidend für die enge Packung der Kollagen-Triple-Helix.

Pro

Prolin

Prolin besitzt eine besondere ringförmige Struktur und beeinflusst dadurch die räumliche Form der Kollagenketten.

Hyp

Hydroxyprolin

Hydroxyprolin entsteht durch eine nachträgliche Modifikation bestimmter Prolinreste und trägt wesentlich zur Stabilität der Kollagenstruktur bei.

Charakteristisch für Kollagen: Ein wissenschaftlicher Review beschreibt Glycin, Prolin und Hydroxyprolin zusammen als rund 57 Prozent der gesamten Aminosäuren des Kollagens.
Kollagenstruktur

Warum befindet sich Glycin an jeder dritten Position?

Charakteristisch für die helikale Kollagenregion ist ein sich wiederholendes Aminosäuremotiv. Vereinfacht wird dieses als Gly-X-Y dargestellt.

An jeder dritten Position befindet sich also Glycin. Die Positionen X und Y können von unterschiedlichen Aminosäuren besetzt werden. Besonders häufig befinden sich dort Prolin beziehungsweise Hydroxyprolin.

Vereinfachtes Motiv

Gly – X – Y

Das charakteristische Wiederholungsmuster kann beispielsweise so aussehen:

Gly – Pro – Hyp

Gly – X – Hyp

Gly – Pro – Y

Gly – X – Y

Längere Kollagenkette

Das Muster wiederholt sich

Vereinfacht dargestellt:

Gly – Pro – Hyp – Gly – X – Hyp – Gly – Pro – Y – Gly – X – Y – ...

Durch dieses wiederkehrende Muster können sich drei Kollagenketten zu der charakteristischen Triple-Helix anordnen.

jede 3. Position

Glycin ist strukturell notwendig

Glycin ist so klein, dass es in den räumlich engen inneren Bereich der Kollagen-Triple-Helix passt. Größere Aminosäuren könnten diese Position nicht in gleicher Weise einnehmen.

Aminosäure 1

Glycin: der häufigste Baustein des Kollagens

Glycin ist quantitativ besonders auffällig. Durch das sich wiederholende Gly-X-Y-Motiv befindet sich Glycin in der helikalen Region des Kollagens an jeder dritten Position.

Das bedeutet vereinfacht: Rund ein Drittel der Aminosäurepositionen in dieser Struktur werden durch Glycin besetzt.

01

Kleine Struktur

Glycin besitzt als Seitenkette lediglich ein Wasserstoffatom und ist dadurch besonders klein.

02

Enge Packung

Die geringe Größe ermöglicht die dichte Anordnung der drei Kollagenketten innerhalb der Triple-Helix.

03

Hoher Anteil

Aufgrund des wiederkehrenden Strukturmotivs liefert Kollagen wesentlich mehr Glycin als die meisten klassischen Nahrungsproteine.

Wichtig für unseren späteren Glycin-Cluster: Glycin ist nicht ausschließlich eine Kollagen-Aminosäure. Die Aminosäure übernimmt im Körper zahlreiche weitere Funktionen. Kollagen ist jedoch eine besonders glycinreiche Proteinquelle.
Aminosäure 2

Prolin: wichtig für die räumliche Struktur

Prolin unterscheidet sich strukturell von vielen anderen Aminosäuren. Die Seitenkette ist mit der Aminogruppe verbunden und bildet dadurch eine ringförmige Struktur.

Diese besondere Geometrie beeinflusst die Konformation der Proteinkette und spielt bei der Ausbildung der typischen Kollagenstruktur eine wichtige Rolle.

Pro

Prolin im Kollagen

Prolin befindet sich häufig auf den X- und Y-Positionen des Gly-X-Y-Motivs.

Ring

Besondere Struktur

Die Ringstruktur schränkt die Beweglichkeit der Proteinkette ein und beeinflusst dadurch ihre räumliche Form.

Hyp

Vorstufe von Hydroxyprolin

Bestimmte Prolinreste innerhalb neu gebildeter Kollagenketten können nachträglich zu Hydroxyprolin modifiziert werden.

Aminosäure 3

Hydroxyprolin: das charakteristische Kollagenmerkmal

Hydroxyprolin ist eine modifizierte Form von Prolin und besonders charakteristisch für kollagene Proteine.

Seine Hydroxylgruppen tragen zur Stabilisierung der Kollagenstruktur bei. Gleichzeitig eignet sich Hydroxyprolin aufgrund seines charakteristischen Vorkommens als Marker in Studien zur Verdauung und Aufnahme von Kollagenhydrolysaten.

1 · Prolin

Prolin wird zunächst in die entstehende Kollagenkette eingebaut.

2 · Hydroxylierung

Bestimmte Prolinreste werden nachträglich enzymatisch hydroxyliert.

3 · Hydroxyprolin

Durch die Modifikation entsteht Hydroxyprolin innerhalb der Kollagenkette.

4 · Stabilität

Hydroxyprolin trägt zur Stabilität der charakteristischen Kollagenstruktur bei.

Prolin → Hydroxyprolin

Welche Rolle spielt Vitamin C?

Die Hydroxylierung bestimmter Prolinreste ist ein enzymatischer Schritt der körpereigenen Kollagenbiosynthese.

Vitamin C ist als Cofaktor für die beteiligten Prolylhydroxylasen von zentraler Bedeutung.

Ausgangspunkt

Prolin

Prolin ist bereits Bestandteil der neu synthetisierten Kollagenkette.

Vereinfacht:
Kollagenkette – Pro – ...

Modifikation

Hydroxyprolin

Bestimmte Prolinreste werden enzymatisch hydroxyliert.

Vereinfacht:
Pro → Hydroxyprolin

Pro → Hyp

Vitamin C unterstützt einen wichtigen enzymatischen Schritt

Vitamin C ist Cofaktor der Prolylhydroxylasen und trägt damit zur normalen Kollagenbildung bei. Die Rolle ist biochemisch von der Aufnahme fertiger Kollagenpeptide zu unterscheiden.

Ein wichtiger Unterschied

Freie Aminosäuren oder Kollagenpeptide?

Glycin und Prolin können sowohl als einzelne freie Aminosäuren als auch als Bestandteile von Proteinen und Peptiden vorkommen.

Kollagenhydrolysat enthält dagegen zahlreiche miteinander verbundene Aminosäuren in unterschiedlich langen Peptidsequenzen.

Einzelne Bausteine

Freie Aminosäuren

Einzelne Aminosäuren liegen nicht als Peptid miteinander verbunden vor.

Beispiel:
Gly + Pro

  • freie einzelne Aminosäuren
  • Menge gezielt dosierbar
  • keine bestimmte Kollagen-Peptidsequenz
Verbundene Bausteine

Kollagenpeptide

Hier sind die Aminosäuren über Peptidbindungen miteinander verbunden.

Beispiele:
Pro – Hyp
Gly – Pro – Hyp

  • Di- und Tripeptide möglich
  • längere Oligopeptide möglich
  • kollagenabgeleitete Sequenzen
Gly + Pro ≠ Pro-Hyp

Gleiche Aminosäuren bedeuten nicht dasselbe Molekül

Die Kombination freier Aminosäuren erzeugt nicht automatisch ein Peptid. Entscheidend ist, ob und in welcher Reihenfolge die Aminosäuren tatsächlich miteinander verbunden sind.

Nach der Einnahme

Was passiert mit Glycin, Prolin und Hydroxyprolin bei der Verdauung?

Kollagenhydrolysat besteht bereits aus kleineren Peptiden. Während der Verdauung werden viele dieser Peptide weiter aufgespalten.

Dadurch entstehen freie Aminosäuren sowie kleinere Di- und Tripeptide. Bestimmte hydroxyprolinhaltige Peptide können nach der Einnahme im Blut nachweisbar sein.

1 · Kollagenhydrolysat

Enthält unterschiedlich lange kollagenabgeleitete Peptide.

2 · Verdauung

Enzyme spalten größere Peptidfragmente weiter auf.

3 · Aminosäuren

Glycin, Prolin und Hydroxyprolin können als freie Bestandteile entstehen.

4 · Kleine Peptide

Bestimmte Di- und Tripeptide können ebenfalls aufgenommen werden.

Kollagentypische Peptide

Was ist Pro-Hyp?

Pro-Hyp steht für Prolyl-Hydroxyprolin: ein Dipeptid aus Prolin und Hydroxyprolin.

Solche hydroxyprolinhaltigen Peptide sind wissenschaftlich besonders interessant, weil bestimmte Vertreter nach oraler Aufnahme von Kollagenhydrolysat im menschlichen Blut nachgewiesen werden können.

Pro

Prolin

Erste Aminosäure des Dipeptids.

+

Peptidbindung

Die beiden Aminosäuren liegen nicht frei nebeneinander, sondern sind chemisch miteinander verbunden.

Hyp

Hydroxyprolin

Zweite Aminosäure des kollagentypischen Dipeptids Pro-Hyp.

Pro + Hyp ≠ Pro-Hyp

Freie Aminosäuren und ein Dipeptid sind unterschiedliche Moleküle

Genau dieser Unterschied ist wichtig, wenn freie Aminosäuremischungen mit Kollagenhydrolysaten verglichen werden.

Vegane Alternative

Kann man Glycin und Prolin einfach pflanzlich ersetzen?

Glycin und Prolin können grundsätzlich auch in veganen Formulierungen bereitgestellt werden. Dadurch lässt sich ein Pflanzenprotein gezielt um kollagentypische Aminosäuren ergänzen.

Das Ergebnis bleibt jedoch eine Protein- und Aminosäuremischung. Die Ergänzung freier Aminosäuren erzeugt keine Kollagenpeptide.

Kollagenhydrolysat

Kollagentypisches Peptidprofil

  • sehr viel Glycin
  • viel Prolin
  • Hydroxyprolin
  • Pro-Hyp und weitere Peptide möglich
  • tierisches Ausgangsprotein
Vegane Formulierung

Protein + freie Aminosäuren

  • Pflanzenprotein als Proteinbasis
  • Glycin gezielt ergänzbar
  • Prolin gezielt ergänzbar
  • Vitamin C kombinierbar
  • keine Kollagenpeptide
Wissenschaftlich sauber: Eine vegane Aminosäuremischung kann kollagentypische Bausteine liefern. Sie sollte aber nicht als identisch mit Kollagenhydrolysat oder Kollagenpeptiden dargestellt werden.
Proteinvergleich

Warum unterscheiden diese Aminosäuren Kollagen von Whey und Pflanzenprotein?

Whey und hochwertige Pflanzenproteine besitzen wesentlich höhere Anteile essenzieller Aminosäuren. Kollagen besitzt dagegen besonders hohe Konzentrationen von Glycin, Prolin und Hydroxyprolin.

Kollagen

Kollagentypische Aminosäuren

  • sehr viel Glycin
  • viel Prolin
  • Hydroxyprolin charakteristisch
  • vergleichsweise wenig Leucin
  • vergleichsweise wenig EAA
Klassische Proteinquellen

EAA-orientiertes Profil

  • mehr essenzielle Aminosäuren
  • mehr Leucin
  • andere Aminosäureverteilung
  • kein kollagentypisches Hydroxyprolinprofil
  • andere Peptidsequenzen
Kollagen vertiefen

Weiterführende Informationen zu Kollagen

Das Aminosäureprofil von Kollagen wird noch verständlicher, wenn man die daraus entstehenden Kollagenpeptide, deren Aufnahme und die Bedeutung von Vitamin C genauer betrachtet.

Grundlagen

Was sind Kollagenpeptide?

Wie entstehen aus dem Kollagenprotein kleinere Peptide und wodurch unterscheiden sich diese von freien Aminosäuren?

Kollagenpeptide verstehen →
Verdauung & Aufnahme

Wie werden Kollagenpeptide aufgenommen?

Was geschieht mit Kollagenpeptiden im Verdauungssystem und welche freien Aminosäuren, Di- und Tripeptide können anschließend im Blut erscheinen?

Aufnahme verstehen →
Kollagenbildung

Kollagen und Vitamin C

Warum Vitamin C für die normale Kollagenbildung wichtig ist und welche Verbindung zwischen Prolin und Hydroxyprolin besteht.

Vitamin C und Kollagen verstehen →
Kollagen Wissen

Kollagen im Überblick

Der zentrale Einstieg in unsere Kollagen-Inhalte: Arten, Peptide, Aufnahme, Herkunft, Vitamin C, vegane Alternativen und Proteinvergleiche.

Alle Kollagen-Themen entdecken →
Wissenschaftliche Einordnung

Was sagt die Forschung zu den Kollagen-Aminosäuren?

Die ungewöhnliche Aminosäurezusammensetzung von Kollagen ist strukturell gut charakterisiert.

Review · Aminosäuren

Glycin, Prolin und Hydroxyprolin

Ein wissenschaftlicher Review beschreibt Glycin, Prolin und Hydroxyprolin zusammen als rund 57 Prozent der gesamten Aminosäuren in Kollagen und diskutiert ihre ernährungsphysiologische Bedeutung.

Publikation öffnen →
Biochemie · Prolin

Prolin und Kollagensynthese

Ein kritischer Review beschreibt den Stoffwechsel von Prolin und seinen Vorstufen sowie die biochemischen Herausforderungen bei der Kollagensynthese und Aminosäuresupplementierung.

Review öffnen →
Die klare Einordnung
Glycin, Prolin und Hydroxyprolin machen Kollagen biochemisch besonders. Entscheidend ist jedoch nicht nur das Vorhandensein dieser Aminosäuren, sondern auch ihre Anordnung innerhalb des Kollagenproteins und der daraus entstehenden Peptide.
Glycin

Besetzt innerhalb des helikalen Gly-X-Y-Kollagenmotivs jede dritte Position.

Prolin

Seine besondere Ringstruktur beeinflusst die räumliche Form der Kollagenkette.

Hydroxyprolin

Entsteht durch Modifikation von Prolin und trägt zur Stabilität der Kollagenstruktur bei.