Kollagen · Pflanzenprotein · Aminosäuren

Kollagen vs. pflanzliches Protein: Was ist der Unterschied?

Kollagen und pflanzliche Proteine liefern Aminosäuren, besitzen aber völlig unterschiedliche Profile. Kollagen ist besonders reich an Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Pflanzenproteine liefern dagegen essenzielle Aminosäuren und können durch die Kombination verschiedener Proteinquellen gezielt ergänzt werden.

Kollagen
vs.
Pflanze
Gly EAA

Kollagen besitzt einen besonders hohen Anteil an Glycin. Pflanzliche Proteine liefern dagegen ein breiteres Spektrum essenzieller Aminosäuren, dessen Zusammensetzung von der Proteinquelle abhängt.

Protein ist nicht gleich Protein

Kollagen und Pflanzenprotein erfüllen unterschiedliche Ernährungszwecke

Ein Gramm Protein beschreibt zunächst nur eine Menge. Welche Aminosäuren dieses Gramm liefert, hängt von der jeweiligen Proteinquelle ab.

Genau deshalb sind Kollagen und Pflanzenprotein ernährungsphysiologisch nicht beliebig austauschbar. Kollagen besitzt ein stark spezialisiertes Aminosäureprofil. Pflanzliche Proteine ähneln hinsichtlich ihrer Rolle als klassische Proteinquelle eher anderen Nahrungsproteinen.

Protein ≠ Protein

Die Proteinmenge allein sagt wenig über das Aminosäureprofil aus

20 Gramm Kollagenprotein liefern eine andere Aminosäurezusammensetzung als 20 Gramm Soja-, Erbsen-, Fava- oder Kürbisprotein.

Direktvergleich

Kollagen und Pflanzenprotein im Überblick

Der grundlegende Unterschied liegt weniger in der Gesamtmenge an Protein als in der Verteilung der einzelnen Aminosäuren.

Spezialisiertes Strukturprotein

Kollagen

  • tierischen Ursprungs
  • sehr hoher Glycinanteil
  • hoher Prolinanteil
  • Hydroxyprolin charakteristisch
  • vergleichsweise wenig Leucin
  • relativ geringer Anteil essenzieller Aminosäuren
  • Tryptophan fehlt im klassischen Kollagenprofil
Klassische Proteinquelle

Pflanzenprotein

  • pflanzlichen Ursprungs
  • liefert essenzielle Aminosäuren
  • enthält Leucin und weitere BCAA
  • Aminosäureprofil abhängig von der Pflanze
  • Glycin meist deutlich niedriger als in Kollagen
  • kein kollagentypisches Hydroxyprolinprofil
  • verschiedene Quellen lassen sich kombinieren
Ein wichtiger Unterschied

Pflanzenprotein ist keine einzelne Proteinquelle

Der Begriff „Pflanzenprotein“ fasst sehr unterschiedliche Rohstoffe zusammen. Sojaprotein, Erbsenprotein, Favabohnenprotein, Reisprotein und Kürbisprotein besitzen jeweils eigene Aminosäureprofile.

Untersuchungen kommerziell verfügbarer Pflanzenproteinisolate zeigen deutliche Unterschiede beim Proteingehalt und bei der Aminosäurezusammensetzung einzelner Proteinquellen.

Soja

Sojaprotein

Sojaprotein besitzt ein vergleichsweise ausgewogenes Profil essenzieller Aminosäuren und gehört zu den ernährungsphysiologisch gut untersuchten Pflanzenproteinen.

Erbse

Erbsenprotein

Erbsenprotein liefert alle essenziellen Aminosäuren, besitzt jedoch ein anderes Mengenverhältnis als Soja oder tierische Proteine.

Mix

Proteinmischungen

Unterschiedliche Pflanzenproteine können gezielt miteinander kombiniert werden, um sich ergänzende Aminosäureprofile zu nutzen.

Deshalb wichtig: Eine pauschale Aussage über „Pflanzenprotein“ ist häufig zu ungenau. Für einen sinnvollen Vergleich sollten die konkrete Proteinquelle, ihre Aminosäurezusammensetzung und gegebenenfalls die verwendete Proteinmischung bekannt sein.
Aminosäureprofil

Glycin, Leucin und essenzielle Aminosäuren

Kollagen fällt durch die besonders hohe Konzentration bestimmter nicht essenzieller beziehungsweise bedingt essenzieller Aminosäuren auf.

Pflanzenproteine liefern dagegen wesentlich mehr essenzielle Aminosäuren und sind dadurch für die allgemeine Proteinversorgung anders zu bewerten.

Gly

Glycin

Kollagen ist besonders reich an Glycin. Pflanzenproteine liefern ebenfalls Glycin, jedoch typischerweise in deutlich geringeren relativen Mengen.

Leu

Leucin

Pflanzliche Proteine liefern deutlich mehr Leucin als Kollagen. Die genaue Konzentration unterscheidet sich jedoch zwischen den einzelnen Proteinquellen.

EAA

Essenzielle Aminosäuren

Gute Pflanzenproteinquellen liefern alle essenziellen Aminosäuren. Die jeweils limitierende Aminosäure und deren Menge unterscheiden sich jedoch je nach Rohstoff.

Proteinqualität

Sind pflanzliche Proteine vollständig?

Die häufig gehörte Aussage, pflanzliche Proteine seien grundsätzlich „unvollständig“, ist zu pauschal. Viele pflanzliche Proteine enthalten alle neun essenziellen Aminosäuren.

Entscheidender sind deren Mengenverhältnisse, Verdaulichkeit und die Frage, welche Aminosäure innerhalb einer bestimmten Proteinquelle limitierend ist.

Kollagen

Spezialisiertes Profil

  • Tryptophan fehlt
  • vergleichsweise wenig EAA
  • vergleichsweise wenig Leucin
  • extrem hoher Glycinanteil
  • viel Prolin und Hydroxyprolin
Pflanzenprotein

EAA-orientiertes Profil

  • essenzielle Aminosäuren vorhanden
  • Leucin vorhanden
  • Profil abhängig von der Pflanzenquelle
  • Verdaulichkeit rohstoff- und prozessabhängig
  • Proteinmischungen können sinnvoll ergänzen
pflanzlich ≠ unvollständig

Die Menge der einzelnen Aminosäuren ist entscheidender als ein Etikett

Ein Pflanzenprotein kann alle essenziellen Aminosäuren enthalten und trotzdem bei einer bestimmten Aminosäure einen niedrigeren Anteil besitzen. Durch Mischung unterschiedlicher Proteinquellen lässt sich das Profil gezielt beeinflussen.

Nicht nur Aminosäuren

Warum spielt die Verdaulichkeit von Pflanzenprotein eine Rolle?

Die ernährungsphysiologische Qualität einer Proteinquelle wird nicht nur durch ihr Aminosäureprofil bestimmt. Entscheidend ist auch, welcher Anteil der Aminosäuren tatsächlich verdaut und verfügbar gemacht werden kann.

1 · Proteinquelle

Soja, Erbse, Reis oder andere Pflanzen liefern unterschiedliche Proteinstrukturen.

2 · Verarbeitung

Isolation, Konzentration und weitere Verarbeitung können die Proteinqualität und Verdaulichkeit beeinflussen.

3 · Verdauung

Proteine werden enzymatisch in Peptide und Aminosäuren aufgeteilt.

4 · Aminosäuren

Aufgenommene Aminosäuren stehen anschließend für den Protein- und Aminosäurestoffwechsel zur Verfügung.

Untersuchungen zu Pflanzenproteinen zeigen erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Proteinquellen und Verarbeitungsformen. So können beispielsweise die Proteinqualitätswerte verschiedener Sojaprodukte abhängig von Herstellung und Verarbeitung variieren.
Peptide und Proteine

Enthält Pflanzenprotein dieselben Peptide wie Kollagen?

Nein. Selbst wenn ein Pflanzenprotein Glycin, Prolin und weitere Aminosäuren enthält, besitzt es dadurch nicht automatisch dieselben Aminosäuresequenzen wie Kollagen.

Kollagenhydrolysat

Kollagentypische Peptide

Durch Hydrolyse von Kollagen entstehen verschiedene kollagenabgeleitete Peptidsequenzen.

Vereinfacht:
Pro – Hyp
Gly – Pro – Hyp
Gly – X – X – Gly – Pro – Hyp – ...

  • kollagenes Ausgangsprotein
  • kollagentypische Aminosäuresequenzen
  • Hydroxyprolin charakteristisch
Pflanzenprotein

Andere Proteinsequenzen

Auch Pflanzenproteine bestehen aus Aminosäureketten. Deren Sequenzen entsprechen jedoch den jeweiligen pflanzlichen Proteinen.

Vereinfacht:
EAA – X – Leu – X – X – Gly – ...

  • pflanzliches Ausgangsprotein
  • andere Aminosäuresequenzen
  • kein klassisches Kollagenhydrolysat
gleiche Bausteine ≠ gleiches Protein

Die Reihenfolge der Aminosäuren entscheidet über die Proteinstruktur

Zwei Proteine können einzelne identische Aminosäuren enthalten und trotzdem vollständig unterschiedliche Proteine und Peptidsequenzen darstellen.

Veganer Ansatz

Kann Pflanzenprotein Kollagen ersetzen?

Als allgemeine Proteinquelle kann Pflanzenprotein ernährungsphysiologisch sogar ein vollständigeres EAA-Profil liefern als Kollagen.

Wenn das Ziel jedoch darin besteht, ein kollagentypisches Aminosäure- und Peptidprofil bereitzustellen, ist Pflanzenprotein kein direkter Ersatz für Kollagenhydrolysat.

01

Pflanzliche Proteinbasis

Eine Kombination aus beispielsweise Soja, Erbse, Favabohne oder weiteren Pflanzenproteinen kann ein breites Aminosäureprofil bereitstellen.

02

Glycin ergänzen

Der im Vergleich zu Kollagen niedrigere Glycinanteil kann durch gezielt zugesetztes Glycin erhöht werden.

03

Vitamin C ergänzen

Vitamin C kann als Cofaktor für die normale körpereigene Kollagenbildung ergänzt werden.

Saubere Bezeichnung: Eine solche Formulierung wäre beispielsweise „pflanzliches Protein mit Glycin und Vitamin C“. Sie liefert ein breites Proteinprofil plus ausgewählte kollagenbezogene Komponenten, ist aber kein „pflanzliches Kollagenhydrolysat“.
Der interessante Mittelweg

Pflanzenprotein + Glycin: Was verändert sich?

Für vegane Proteinformulierungen ist Glycin besonders interessant, weil Kollagen davon außergewöhnlich große Mengen enthält, klassische Pflanzenproteine dagegen deutlich weniger.

Wird einem Pflanzenprotein zusätzlich freies Glycin zugesetzt, verändert sich dessen gesamtes Aminosäureprofil. Die Mischung kann dadurch mehr Glycin liefern, ohne die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren aus der pflanzlichen Proteinbasis aufzugeben.

Nur Kollagen

Sehr viel Glycin

  • kollagentypisches Profil
  • sehr hoher Glycinanteil
  • vergleichsweise geringer EAA-Anteil
  • tierische Herkunft
Pflanze + Glycin

Breites Proteinprofil + zusätzliches Glycin

  • essenzielle Aminosäuren aus Pflanzenprotein
  • Glycin gezielt ergänzbar
  • Leucin bleibt Bestandteil des Pflanzenproteins
  • vegane Formulierung möglich
Glycin ≠ Kollagen

Mehr Glycin erzeugt noch keine Kollagenpeptide

Die Ergänzung von Glycin verändert das Aminosäureprofil einer Pflanzenproteinmischung. Sie erzeugt jedoch weder Hydroxyprolin noch die charakteristischen Peptidsequenzen eines Kollagenhydrolysats.

Sport & Proteinversorgung

Was bedeutet der Unterschied für Muskelprotein?

Für die Muskelproteinsynthese ist die Verfügbarkeit essenzieller Aminosäuren besonders wichtig. Pflanzenproteine besitzen hier grundsätzlich ein günstigeres Profil als Kollagen.

Je nach Pflanzenprotein können jedoch Leucinmenge, EAA-Gehalt und Verdaulichkeit geringer sein als bei hochwertigen tierischen Proteinen. Das lässt sich durch Proteinauswahl, Kombination und gegebenenfalls höhere Mengen berücksichtigen.

EAA

Essenzielle Aminosäuren

Pflanzenprotein liefert die für neue Muskelproteine benötigten essenziellen Aminosäuren.

Leu

Leucin

Die Leucinkonzentration variiert zwischen pflanzlichen Proteinquellen und kann bei der Formulierungsplanung berücksichtigt werden.

Mix

Proteinmischung

Durch Kombination unterschiedlicher Pflanzenproteine lässt sich das gesamte Aminosäureprofil gezielt gestalten.

Forschung zu Pflanzenproteinen zeigt, dass Aminosäureprofil, Proteinmenge und Verdaulichkeit gemeinsam betrachtet werden sollten. Pauschale Aussagen wie „Pflanzenprotein ist minderwertig“ sind deshalb ebenso ungeeignet wie die Behauptung, alle pflanzlichen Proteine seien ernährungsphysiologisch identisch.
Praktische Entscheidung

Kollagen oder Pflanzenprotein: Was ist sinnvoller?

Es gibt keinen pauschalen Sieger. Die sinnvollere Proteinquelle hängt davon ab, welches Aminosäureprofil gewünscht wird.

01

Proteinversorgung

Für eine Ernährung mit möglichst breiter Versorgung essenzieller Aminosäuren ist eine geeignete Pflanzenproteinquelle oder Proteinmischung sinnvoller als Kollagen allein.

02

Kollagenpeptide

Wer gezielt Kollagenpeptide sowie das charakteristische Glycin-, Prolin- und Hydroxyprolinprofil zuführen möchte, benötigt klassisches Kollagenhydrolysat.

03

Vegane Strategie

Pflanzenprotein plus ausgewählte Aminosäuren und Vitamin C kann eine eigenständige vegane Alternative darstellen, ohne Kollagen zu imitieren.

Kollagen vertiefen

Weiterführende Informationen zu Kollagen

Der Proteinvergleich wird besonders verständlich, wenn man die Kollagenpeptide selbst, ihre typischen Aminosäuren und die Möglichkeiten veganer Kollagenalternativen genauer betrachtet.

Grundlagen

Was sind Kollagenpeptide?

Wie entstehen Kollagenpeptide durch Hydrolyse und wodurch unterscheiden sich die Peptide von anderen Proteinquellen?

Kollagenpeptide verstehen →
Aminosäuren

Glycin, Prolin und Hydroxyprolin

Warum besitzt Kollagen ein so ungewöhnliches Aminosäureprofil und welche Rolle spielen seine charakteristischen Bausteine?

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Pflanzliche Alternative

Gibt es veganes Kollagen?

Pflanzen enthalten kein natürliches Kollagen. Erfahre, wie Protein, Aminosäuren und Vitamin C zu einer eigenständigen veganen Alternative kombiniert werden können.

Vegane Alternativen verstehen →
Proteinvergleich

Kollagen vs. Whey Protein

Wie unterscheiden sich Kollagen und Whey bei Glycin, Leucin, BCAA und essenziellen Aminosäuren?

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Wissenschaftliche Einordnung

Was sagt die Forschung zu Pflanzenprotein?

Pflanzenproteine unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Aminosäureprofil, Verdaulichkeit und Proteinqualität.

Aminosäuren · 2018

Pflanzenprotein-Isolate im Vergleich

Eine Analyse kommerzieller Pflanzenproteinisolate zeigte deutliche Unterschiede beim Proteingehalt und bei der Zusammensetzung essenzieller und nicht essenzieller Aminosäuren.

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Proteinqualität · Review

Pflanzliche Proteine differenziert bewerten

Ein wissenschaftlicher Review beschreibt Aminosäureprofil und Verdaulichkeit als zentrale Faktoren für die ernährungsphysiologische Bewertung pflanzlicher Proteinquellen.

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Die klare Einordnung
Pflanzenprotein ist kein veganes Kollagen. Es liefert aber ein breiteres Profil essenzieller Aminosäuren. Kollagen besitzt dagegen ein spezialisiertes Profil mit besonders viel Glycin, Prolin und Hydroxyprolin.
Kollagen

Spezialisiertes Aminosäure- und Peptidprofil mit besonders viel Glycin und Prolin.

Pflanzenprotein

Liefert essenzielle Aminosäuren und eignet sich besser als klassische Proteinquelle.

Vegane Strategie

Pflanzenprotein kann mit Glycin und Vitamin C zu einem eigenständigen Konzept kombiniert werden.